Mittwoch, 24. Dezember 2014

Heiligabend- die Sonne knallt

I'm dreaming of a white Christmas


Weihnachtsfeeling kommt in diesem Jahr leider (oder Gott sei Dank?- so vermisst man nicht so viel) gar nicht auf.

Seit ein paar Tagen ist scheinbar komplett Uganda unterwegs. Alle fahren zu überteuerten Taxipreisen zu ihren Familien in die Dörfer. Da man hier Weihnachten am 25. feiert, fahren auch wir morgen zu Kirabos Familie. Wir sind neugierig wie der morgige Tag sein wird, erwarten aber nicht zu viel. An unser Weihnachten zu Hause kann eh nix ugandisches ran kommen.


Wir schicken ganz viele Küsse an alle, die wir gern haben und wünschen Euch ein frohes Weihnachtsfest! Bitte genießt für uns mit.

Julian & Anne

Samstag, 20. Dezember 2014

Askaris Haus

Ein Haus(für den)Meister

Sein Name; Wilson. Sein Beruf; Nachtwächter und Hausmeister. Seine Schlafenszeit; 4h pro Tag.
Wilson ist unser Askari eine Mischung aus Hausmeister und Nachtwächter. Am Tag hilft er an der Schule mit allem was so anfällt: Er repariert, schleppt Kram von A nach B, arbeitet mit uns wenn wir neue Gebäude bauen, achtet auf die Kinder und und und. Alle Wilsons Tätigkeiten überblickt glaube ich nur Wilson. Er ist einer der am härtesten arbeitenden Ugander, die wir kennen.
Leider hatte Abato in letzter Zeit große Probleme: Obwohl Wilson nachts aufpasst wurden uns seit Anne und ich hier sind diverse Baumaterialien, ein Fußballtor und einige Werkzeuge gestohlen. Außerdem sind die vier Ziegen, die Abato auf dem Schulgelände gehalten hat, nachts von wilden Hunden(?) angefallen worden und gestorben. Eigentlich hätte Wilson als Nachtwächter all dies verhindern sollen, aber ein Mann kann nicht überall sein.
Damit er ab jetzt immer auf dem Gelände sein kann und damit sein enormes Arbeitspensum etwas leichter wird errichten wir nun ein (kleines) Haus für Wilson auf dem Schulgelände. Wir haben also wieder die Arbeitshandschuhe ausgepackt, Backsteine gekauft, Zement angerührt und wieder heißt es Construction. Diesmal ist es indirekt für die Kinder, aber wenn man sich überlegt, dass es hilft die Schule sicherer zu machen, ist das doch auch für die Kids eine gute Sache.

Julian


Donnerstag, 11. Dezember 2014

Taschendieb!

In Rom klauen Langfinger besser

Kampala. Wir waren übers Wochenende in der Hauptstadt und nun auf dem Weg zum Taxipark um nach Hause zu fahren. Gerade sind wir zwischen zwei Autos über eine Kreuzung, es war nicht sonderlich belebt. Aber ich hab etwas an meinem kleinen Rucksack gespürt. Ein Griff nach hinten ließ mich schocken- der Reißverschluss war offen! Mein Hirn war schnell und ich wusste, dass da gerade jemand mein Handy rausgefischt haben muss. Mein Blick fiel direkt auf den Taschendieb, der mich anschaute. Nach einem „Julian!“ machte ich einen schnellen Schritt nach vorne und der Dieb begann zu rennen. Direkt spürte ich aber, dass das meinen verletzten Knie nicht soo gut gefallen hat. Aus dem Augenwinkel sah ich Julian lossprinten. Der Dieb hatte mittlerweile locker 5-10m Vorsprung, aber ich weiß ja wie schnell mein Julian ist. Der hat nur aus voller Kehle geschrien „Stop this man! STOP THIS MAN“. Julian hatte die Aufmerksamkeit aller Menschen um uns herum und man versuchte den Dieb aufzuhalten. Die Ugander waren aber nicht so erfolgreich. Nach ca. 30m Vollsprint hatte Julian den jungen Ugander (er war ungefähr so alt wie wir) eingeholt und an der Schulter herumgerissen. Ich hab das genau von guten 10m Abstand beobachtet. Die Angst in dem Blick des Diebes war unverkennbar. Er wollte Julian das Handy wieder geben, ließ es aber fallen, weil andere Ugander auf ihn zukamen. Also rannte er wieder los. Zurück in die Richtung aus der er gekommen war. Aber da war ich. Ich war wütend, wollte ihn stellen, ihn anbrüllen. Ich musste nur ein paar Schritte zur Seite gehen, und er lief mir in die Arme. Ich hab ihn am Kragen gepackt, herumgeschleudert und gegen eine Hauswand gedrückt. Meinen Griff habe ich nicht losgelassen. Da er genauso groß war wie ich konnte ich ihm direkt in die Augen sehen. Angeschrieen hab ich ihn und geschüttelt. Sekunden später war Julian da und dann die ersten Leute. Sie begannen ihn zu beschimpfen und ihm auf den Kopf zu schlagen. Julian zog mich aus dem Mob, der sich gebildet hatte. „Sie haben gesagt, wir sollen ganz schnell hier weg.“ Wir sind aus der Menschentraube gestolpert. Viel gesehen hab ich nicht, nur dass Leute aus dem Mob auf den Dieb einprügelten und ihn traten. Schnell kamen Sicherheitsleute, die den verängstigten Dieb im Polizeigriff wegbrachten. Ganz ganz viele Leute sprachen uns an, fragten ob wir ok seien, was der Typ zu stehlen versucht hatte und ob wir es zurück haben. Sie waren verblüfft wie Julian reagiert hatte und wie schnell er gerannt ist. Auch ich erntete Lob für meinen Mut. Mutig fühle ich mich bis jetzt nicht; ich war einfach nur stinksauer.

Später überholten uns die Sicherheitsleute mit dem Dieb noch einmal. Er hatte eine riesen Platzwunde am Kopf. Es war kein schönes Gefühl das so zu sehen und im Nachhinein noch schlimmer. Uns wurde erklärt, dass der Mob den Dieb totgeprügelt hätte, wenn die Sicherheitsleute ihn nicht aus der aggressiven Menschenmenge befreit hätten. „Man mag in Kampala keine Kriminellen“ sagte man uns. Ich kann es bis jetzt noch nicht fassen, dass die Gesellschaft so reagieren kann… Generell waren Julian und ich fertig mit den Nerven, als das alles vorbei war und es dauerte etwas bis unsere Beine uns wieder richtig tragen wollten.  Wir beide haben geschwitzt und waren plötzlich total müde. Kein Wunder bei der ganzen Aufregung.

Zumindest wird der Typ jetzt zur Polizei gebracht, ob und wie er dort bestraft wird, wissen wir nicht und ich will es auch gar nicht wissen. Ich bin mir ziemlich sicher, ich bin mit jeder Entscheidung die dort getroffen wird, unzufrieden.



Anne

Sonntag, 7. Dezember 2014

Clans

Inzest vermeiden für Ugander

Ugandas Volk ist gespalten. Die Ugander teilen sich, abhängig von der Herkunftsregion ihrer Familie in 52 verschiedene Clans. Die einzelnen Clans sind so eine Art erweiterte Familie (man nennt jeden im Clan Bruder, Schwester, Onkel, Tante, Mama oder Papa) und für einen kundigen Ugander, verrät bereits der Nachname einer Person, zu welchem Clan sie gehört. Innerhalb einer (richtigen) Familie kann man hier auch verschiedene Nachnamen haben. So hat Andrew einen anderen Nachnamen als sein Bruder und seine Schwester (obwohl alle unverheiratet sind und die gleichen Eltern haben). Man wählt einen Vornamen für sein Kind und einen Nachnamen, der lediglich zum jeweiligen Clan gehören muss. Ein Kind gehört automatisch zum Clan des Vaters.

Jeder Clan hat ein eigenes Motto, dass aber nicht in Worten besteht, sondern in einem bestimmten Trommelsound. Die Clans sind benannt nach Tieren oder bestimmten Dingen/Personen. Tiere sind aber am Häufigsten. Das bringt auch eine tolle Besonderheit mit sich, denn man darf sein Clan-Tier nicht essen! Das ist bei Grashüpfer (hier eine Delikatesse) und Schaaf nervig, aber wenn man zum Kuh-Clan gehört, dann hat man so richtig gelitten. Oder auch nicht, denn die Leute vom Kuh-Clan behaupten einfach, das Wort Kuh sei symbolisch und bedeute eigentlich Frosch. Darum essen sie Kühe. Rafftückisch!

Die zweite wichtige Regel und wahrscheinlich der Grund, warum dieses ganze Clan Getue vor langer Zeit eingeführt wurde lautet: Du darfst keine romantische Beziehung (so mit Küssen) mit Mitgliedern deines eigenen Clans haben. Man muss sich seinen Partner aus einem anderen Clan suchen. So wie ich – Saarland. Nein mal im Ernst: Diese Regel hat durchaus Sinn, denn so wird Inzest und die damit verbundenen Folgen direkt ein Riegel vorgeschoben. Wenn man sich in ein Clan Mitglied verliebt, hat man halt Pech. Darum liebe Kinder merkt euch die Reihenfolge des ugandischen Kennenlernens: 1. Wie heißt du? 2. Deinen Nachnamen wollte ich wissen!? 3. Hallo.

Anne und ich haben auch Clanzugehörigkeiten. Ich habe einfach den Clan meines Host-Fathers (Moses Kalanzi) angenommen und bin somit Grasshopper. Einmal habe ich gesündigt und Grashüpfer gegessen, musste ich aber mal probieren. Anne wurde (damit wir zusammen sein können) von den Ugandern in einen besonderen Clan gesteckt: Nasuna, der Clan der Prinzessinnen.



Julian

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Malaria

Krankenhausbesuch, der äähh….. 4.

Es war ein recht kühler Tag, sodass ein T-Shirt nicht wirklich warm genug halten konnte. Da uns beiden an dem Tag die Kraft fehlte und Julian schlecht geschlafen hatte die Nacht, wollten wir uns ein bisschen ausruhen. Ich hab auf der Bank (3 zusammen genagelte und blau angestrichene Bretter) gesessen und es hat nicht lang gedauert, da ist Julian, eingemümmelt in seinen Pulli, mit dem Kopf auf meinem Schoß eingeschlafen. Kurz später hab ich ihn ins Auto verfrachtet. Mittlerweile war die Sonne wieder da und es wurde zu warm für mich im Auto. Nach einer Stunde, in der Julian noch schlafen wollte, bin ich wieder zu ihm. Es war heiß wie in einer Sauna im Auto. Dementsprechend glitzerten auch die Schweißperlen auf Julians Stirn, doch er fror immer noch.
Oh nein! Fieber! Fieber ist ja nichts schlimmes, aber hier in Uganda ist das ein Symptom für Malaria. Malaria wird von weiblichen Stechmücken übertragen. Wenn sie zuvor jemanden/etwas infizierten gestochen haben (auch noch 3 Wochen nach Genesung), und man dann gestochen wird, stehen die Chancen ziemlich gut, einen positiven Malaria Test zu bekommen. Es gibt verschiedene Sorten Malaria. Die eine ist wie Herpes und kommt immer wieder, die andere, die es hier in Uganda gibt, kann bei falscher Behandlung töten.

Also ab ins Krankenhaus unseres Vertrauens in Mpigi.
Kleiner Exkurs: Man geht hier nicht zum Arzt, wie wir das zu Hause kennen, sondern immer in ein privates Krankenhaus (staatliche Einrichtungen kann man hier vergessen). Im Krankenhaus „Double Cure“ arbeiten ca. 15 Ärzte und Arzthelferinnen. Alles ist sehr überschaubar. Das Gelände ist ca. so groß wie das meiner Grundschule: Es gibt 3 Parkplätze (einer davon geht an den Krankenwagen), 3 Behandlungsräume, einen „OP-Raum“ und ein Labor. Diejenigen die stationär behandelt werden, können in dem einen Einzelzimmer, dem einen Doppelzimmer oder dem Raum mit den 4 Betten unter kommen. Das Krankenhaus deckt an Leistungen ziemlich viel ab: von Zahn- und Augenarzt, über kleine OPs und Familien-/Aidsberatung bis hin zur Gynäkologie ist alles da.
Das Krankenhaus ist sauber und alles was benutzt wird ist steril. Aber dennoch ist es lange nicht zu vergleichen mit einem westlichen Krankenhaus. Trotzdem haben wir uns wegen der kompetenten und freundlichen Angestellten durchaus wohl und sicher gefühlt.

Leider leider waren wir schon öfters dort (man glaubt nicht, was man sich hier als Europäer immer für Kleinigkeiten-Krankheiten einfangen kann) und ca. 60% des Personals kannte mich schon mit Namen. Wir wurden folglich herzlich begrüßt und Julian kam sofort an die Reihe.
Nach der Bestätigung, dass Julian Fieber hatte und einigen Tests wurden wir etwas überrumpelt mit. „You are very very sick!“. Wir habens zuerst gar nicht verstanden. Dann wurde uns erklärt, dass Julian 10 Malaria hatte (keine Ahnung, wieso man das so zählt, aber man kann auch mit 3 Malaria ins Krankenhaus und mit 22 ist man nicht mehr fähig, allein zu stehen).
Er bekam Infusionen sowie Medikamente (vor allem Paracetamol um das Fieber zu senken) und musste haufenweise Softdrinks zu sich nehmen- Hauptsache viiiiel Zucker! Auch sollte Julian über Nacht dort bleiben, damit sie auf Veränderungen reagieren können. Malaria kommt nämlich in Fieberschüben. Zwischen diesen Attacken fühlt man sich ganz gut, ist nur etwas schwach. Aber man könnte meinen, gesund zu sein.
Ich bin also nach Hause, um seine Sachen für den Krankenhausaufenthalt zu packen. Nach dem Abendessen, das Kirabo und Moses uns gebracht hatten (Essen und Trinken gibt’s da nicht im Krankenhaus, das muss man selbst besorgen), bin ich wieder mit nach Hause um dort zu übernachten. Das war sehr ungewöhnlich für Uganda. Die folgenden 2 Nächte bin ich dann ganz ugandisch über Nacht bei ihm geblieben.

Da es Julian die meiste Zeit sehr gut ging (also ja, er war krank, aber zwischen den Fieberschüben durchaus zu gebrauchen), haben wir gelesen,  Filme geschaut (naja, über 30 Stunden während unseres 4 Tages Ausfluges ins Krankenhaus ist der Strom ausgefallen), mit den Angestellten herumgeblödelt und Karten gespielt. Gegessen hat Julian auch, wenn auch etwas weniger.
Die frühen Abende und die Nächte waren wohl am Schlimmsten, weil dann das Fieber immer schlagartig kam. Doch man kümmerte sich sehr gut um ihn. Ein Paradebeispiel: Der Arzt, der Nachtdienst hatte (Faiso, ein ganz lieber mit einem lustigen Sprachtick), hat gegen Mitternacht über eine Stunde damit verbracht Julian mit einem nassen Tuch zu kühlen.
Nach der ersten Nacht konnte Malaria um 4 reduziert werden und Julian hatte „nur“ noch 6 Malaria. Immer noch nicht gut. Nach der zweiten Nacht wollte man ihn noch weiter beobachten und Julian wurde nach der dritten Nacht entlassen.

Nach insgesamt 6 Tagen/5 Nächten war Julian wieder fit und hatte Malaria aus seinem Körper vertrieben. Es hätte alles schlimm sein können, aber Dank Julians starken Immunsystems und der guten und frühzeitigen Behandlung war alles nicht so schlimm. Ja okay, Fieberschübe sind uncool, aber immerhin sind ihm Krämpfe, Gliederschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Co erspart geblieben. War halt wie zu starkes Fieber….
Auf jeden Fall ist jetzt alles wieder gut und meine Malaria-Tests waren negativ. Julian ist jetzt nicht mehr „ansteckend“ und wieder so was von einsatzfähig!
Freut euch auf die Stories aus Jinja!

…Übrigens kennt jetzt jeder Angestellte (von Arzt bis Manager) unsere Namen.



Anne

Sonntag, 30. November 2014

Dienstag, 25. November 2014

Video

Bauen, bauen, bauen!

Leider ist uns die blaue Farbe ausgegangen… aber die kann noch nachgekauft werden ;)

Hier also mal: unser kleines Werk in Bewegtbild (hier klicken fürs Video). Die Fortsetzung wird folgen und Dank der Spenden, die wir bekommen haben, kann noch weiter gebaut werden.

Als erstes soll unser Hausmeister/Nachtwächter (in Luganda: Askari) ein „Haus“ bekommen, wie man hier sagt. Es wird ein ca. 10mq2 Raum, der aber alles bietet, was ein Ugander braucht. Von der Qualität des Bauwerks her, sogar mehr. Unser Askari Wilson ist mittlerweile ein guter Freund von uns geworden, trotz der Sprachhürde, dass wir beinahe keine gemeinsame Sprache sprechen. Wilson ist mit seiner Arbeit und seinem Charakter unverzichbar für Abato geworden und ich bin total froh, ihn in unserem Team zu haben! Da seine Arbeit (vor allem nachts) sehr schwer ist, soll er nun ein Zuhause bekommen, dass ihm seine Wacht erleichtert und ihm einen ruhigen Platz zum Schlafen gibt (Wilson hat zur Zeit kein eigenes Haus).

Wenn das Haus fertig ist (ich rechne mit ca. 10 Tagen Bauzeit… wenn ich nicht zu optimistisch bin), geht’s es an den Spielplatz. Ich freue mich riesig auf das Projekt! Wir suchen im Moment noch Stiftungen, die uns bei der Planung und der Umsetzung helfen könnten. Die Grundidee steht bereits und es soll ganz viel mit alten Autoreifen gebaut werden.
Danach wollen wir mind. zwei neue Klassenräume anbauen und an der Küche arbeiten.

…. Es ist also noch viel zu tun und wir werden ganz fleißig sein in den Schulferien :)



Anne

Dienstag, 11. November 2014

Murchison (Katastro-)Falls Nationalpark – Teil 3

Kundenfreundlichkeit: 0 Punkte

Wir nutzten die Zusatzstunde um eine Bootssafari für den nächsten Tag zu reservieren. Die Dame an der Rezeption war sehr hilfsbereit und rief den zuständigen Ranger an. Man garantierte uns, dass es zu fünft kein Problem sei ein Boot zu reservieren und wir verabredeten auch den Preis (ist hier immer wichtig.) 30 USD für uns Deutsche und 30.000 UGX (keine 10 €) für die Ugander – das ging voll klar.

Als wir dann nach unserer extra Stunde Wartezeit auf die Fähre konnten legte diese überraschend ab. Anne, Andrew und ich waren drauf, unser Auto, Daniel und der Kuhjunge allerdings nicht. Entsetzt fragten wir den Fährenfahrer (der gerade mal fröhliche 10 Minuten zu früh losgefahren war und das, bei der letzten Fähre des Tages) was das sollte. Die Jungs hatten das Auto schon angemacht, da hat die Fähre einfach abgelegt. „No, no, we come back, we just pick one car on the other side.” – Effizienz ist hier ein Fremdwort. Die Fähre macht tatsächlich zwei extra Fahrten wegen eines Autos anstatt fünf Minuten länger zu warten und sich das zu sparen. 19 Uhr auf der Fähre, alles dunkel und am Himmel Gewitterwolken, kein Regen aber blaue Blitze die am Himmel zucken. Neben uns an der Fähre sechs Hippos die uns zu eskortieren scheinen. Die unerwartete Fährüberfahrt ist doch noch irgendwie faszinierend geworden. Wir sind dann Hin, Zurück und wieder Hin gefahren, weil wir die Anderen nicht allein übersetzen lassen wollten, außerdem hätten wir eh auf das Auto warten müssen.

Im Anschluss ging es in das nahegelegene Red Chili Restcamp. Die Ugander eröffneten uns, dass sie ihre Pläne geändert hatten. Ursprünglich sollten sie jetzt zurück fahren und Anne und ich wären am nächsten Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln heim – aber nein! Ungeachtet der Tatsache, dass sie von Anfang an kein Geld hatten, wollten sie jetzt noch übernachten. Ugander scheinen oft so eingestellt zu sein, dass sie uns nichts alleine machen lassen wollen. Was eine Nacht zu zweit im coolen Safari Zelt für Anne und ich werden sollte, wurde plötzlich durch Andrew ergänzt. Also keine Zweisamkeit, aber immerhin konnten wir Andrew davor bewahren, als dritte Person im Auto zu übernachten. Das Camp an sich war echt cool. Essen war gut und zu okayen Preisen erhältlich, Toiletten waren westlich und es gab richtige Duschen – für jeden, der länger in einem ugandischen Dorf gewohnt hat, Luxus pur. Außerdem wandert nachts Hippo Gloria (ja ein echtes Nilpferd) durch das Camp. Warzenschweine, Fledermäuse und andere Tiere gab es auch! Nicht schlecht.

Am nächsten Morgen sollte die reservierte Bootstour um 7 Uhr starten. 6:45 Uhr standen wir bei dem Ranger an der Pforte und wollten bezahlen. Der stellte sich aber mal so richtig quer. 300 USD verlangte er von uns. Wir versuchten uns auf das Telefonat zu berufen, zeigten ihm die Nummer die wir angerufen hatten und er sagte sogar noch, dass es seine Nummer ist, aber er blieb richtig stur und unfreundlich. 300 USD wollte er oder wir hätten gelitten. Überrascht und wütend über so viel Dreistigkeit (wie gesagt, wir hatten den Preis extra am Vorabend abgesprochen) änderten wir den Plan. Statt auf einem Boot zum berühmten Wasserfall zu fahren, wollten wir die Straße nehmen. Also zurück ins Auto uns los. Die Abbiegung zu den Top of the falls (12 km entfernt) war schnell gefunden, aber die Straße war übel. In der Nacht hatte es ganz leicht geregnet und das machte die miese Straße unbefahrbar für einen 2-Rad Antrieb. Wir blieben stecken. Und zwar so richtig. So richtig richtig richtig richtig. Super tief im übelsten Matsch. Was machen die mit den teuren Eintrittsgeldern?!?!?
Ich glaube wir haben eine gute Stunde gekämpft um das Auto rauszukriegen und es auf der engen Straße zu wenden, denn für unser Auto war absolut kein Weiterkommen. Das war richtig frustrierend – zuerst die geplatzte Bootstour und jetzt wussten wir sicher, dass wir den Wasserfall nicht sehen würden. Resigniert und etwas geknickt traten wir den Rückweg an.

Ein kleiner Trost blieb aber noch: Am Ende dieser furchtbaren Straße standen zwei ältere Büffel ganz allein am Straßenrand. Daniel war erst etwas zu schnell an ihnen vorbeigefahren und dann sind wir langsam im Rückwärtsgang zurück zu den Beiden. Ein beeindruckender Anblick.

Nach vierstündiger Heimfahrt inklusive (man ahnt es schon) nochmal fies steckenbleiben auf der Straße zu Andrews Haus, hatten wir es dann geschafft. Als wir zurück waren, waren wir sehr froh darum. Und ehrlich gesagt ist das Gefühl flau, was Murchison angeht. Es ist einfach sehr viel schief gegangen. Trotzdem war den Game Drive echt super.

Mit gemischten Gefühlen habe ich diese Einträge jetzt geschrieben und bin immer noch nicht sicher, wie ich über das alles denke. Vielleicht bleibt das auch erst mal so.


Julian

Mittwoch, 5. November 2014

Murchison (Katastro-)Falls Nationalpark – Teil 2

It’s all about the game

Also für alle bezahlt und reingefahren in den Nationalpark. Um 11:50 Uhr fuhren wir durch das Gate auf die ungeteerte Straße. Die ersten Tiere ließen auch nicht lange auf sich warten, leider waren sie nicht so, wie wir uns das erhofft hatten. Im Park wimmelt es nämlich von Tse-Tse Fliegen, das sind furchtbar lästige, bienengroße Insekten, die mit ihrem Biss die sogenannte Sleeping Sickness übertragen können. Die Viecher sind quasi die unehelichen Bastard-Brüder von Malaria-Moskitos, bloß dass bei denen kein Insektenspray hilft. Beide erfüllen keinen Zweck außer dir in Afrika das Leben schwer zu machen. In den starken Risikogebieten hätten wir eigentlich die Fenster hochmachen müssen, mit 5 Leuten im Toyota Ipsum ohne Klimaanlage war das allerdings wegen der Hitze kaum denkbar. Wir lagen also ständig auf der Lauer und ich würde sagen Anne und ich haben die Welt verbessert, indem wir massenhaft Tse-Tse Biester von ihr entfernt haben. Nach ca. 20 Minuten wurde es dann zum ersten Mal cool: Eine Horde Affen saß auf der Straße, direkt vor uns. 


Baboons sind laute, wilde und gemeine Affen, die einem richtig Spaß machen können, wenn man beobachtet wie sie sich prügeln oder ihre Jungen vor sich herschieben. Die nächsten Tiere ließen auch nicht lange auf sich warten, denn auf der Straße und an der Seite saßen … noch mehr Baboons. Okay aber dafür kamen nach fünf  Minuten … Baboons?! Okay langsam wurden die Affen doch unspektakulär, weil sie in Scharen auf der Straßen hocken und man doch auf weitere Tiere wartet.

Nach zwei Stunden und zig weiteren Baboons erreichten wir die Fähre, die unser Auto über den Nil schippern sollte. Das verlief alles recht reibungslos und war auch cool, denn seitlich im Wasser waren Nilpferdköpfe zu erspähen. Auf der anderen Seite wartete die Straße, die wir für unseren Game-Drive (das ist das adäquate Wort für rumfahren und Tiere anstarren) vorgesehen hatten. Ohne etwas zu sagen stoppten die drei Ugander das Auto direkt nach der Überfahrt, stiegen aus und setzten sich in den Schatten. Anne und ich waren etwas verwirrt und fragten nach kurzer Zeit was los war. „No animals around this time, all the games are sleeping because it’s too hot“ wurden wir aufgeklärt. Da die letzte Fähre zurück bereits um 19 Uhr fuhr, hatten wir eigentlich keine Zeit zum Däumchen drehen also überredeten Anne und Ich die Anderen einfach trotzdem loszufahren. Die ansässigen Ugander guckten ziemlich schräg, als unser Auto als Einziges um halb 3 auf Safari fuhr.
Und was soll ich sagen, diesmal hatten wir Recht! Schon nach kurzer Zeit stand eine Giraffe neben uns, keine zehn Meter vom Straßenrand entfernt. Und weil alles leer war sind wir sogar (verbotenerweise) ausgestiegen um etwas näher ranzugehen und Fotos zu machen. Auf der weiteren Fahrt fanden wir am Straßenrand Impalas, Uganda Kob, Warzenschweine, Erdmännchen, perlhuhnartige Vögel und generell zig coole Vögel, die ich als ahnungsloser Anti-Ornithologe nicht identifizieren kann. Nachdem wir einige Zeit über sehr dicht bewachsene Straßen gefahren waren und ich mich als Fahrer gleich mehrmals gefragt habe, ob auf diesen Wegen in den letzten Monaten überhaupt Autos unterwegs waren (die Beschilderung in Murchison ist … kaum vorhanden?!) sahen wir einen Baum direkt an der Straße rascheln. Und auf einmal war es soweit – Elefanten! Direkt vor uns. Fünf Meter vor dem Auto rannten sie über die Straße, gleich vier Stück und einer stand am Rand und rüsselte an einem Baum herum. Unfassbar krass. Ich war so fröhlich, dass wir sie gefunden hatten und sie waren uns wirklich nah. Weiter ging’s in Richtung Nil Delta und als wir dort ankamen, sah die Straße auch plötzlich wieder besser aus. Wir fuhren neben dem Nil entlang und entdecken noch mehr Nilpferde beim Baden und Rumlaufen. Das absolute Highlight war dann eine riesige Giraffenherde. 
Bestimmt 30 Giraffen und sie waren uns super nah. Alle wollten zum Wasserloch und darum sind sie auch nicht weit weggegangen. Ich habe auch zum ersten Mal erlebt wie Giraffen rennen. Das ist sowas von majestätisch, es ist ganz langsam und mit ihren stelzen-artigen Beinen auch sehr eigen. Ich weiß gar nicht recht wie es beschreiben soll. Gegen Ende unserer Tour sahen wir noch weit entfernt eine Büffel Erde und hatten so mal lockere 3 von den Big 5 abgehakt.

Als wir um 17:45 am Fähranleger ankamen waren wir erschöpft und glücklich. Anne und ich dachten, das passe nun perfekt und wir setzen um 18 Uhr über, aber dann: Uganda. Die anderen Drei hatten beschlossen, dass man das Auto jetzt tanken müsse, an einer Tankstelle die „ganz nah“ sei. Wir argumentierten, dass wir ja nun eigentlich auf die andere Seite wollten, aber da war das Auto schon aus der Reihe rausgefahren. Für Ugander ist es kein Problem eine Stunde sinnlos rumzusitzen und auf die nächste Fähre zu warten.
Im dritten und letzten Teil dann die getrippelte Fährüberfahrt, mehr ugandisches Pläne umschmeißen, unsere Nacht mit Hippo im Red Chili Restcamp und unser letzter halber Tag im Park. Spoiler: Der war nix mehr.


Julian

Montag, 3. November 2014

Murchison (Katastro-)Falls Nationalpark – Teil 1

Der Weg ist nicht mein Ziel

Am Mittwoch wollten wir gemeinsam mit Andrew in den Murchison Falls Nationalpark fahren. Der flächenmäßig größte Nationalpark Ugandas lockt mit einer riesigen Vielfalt an Tieren und wunderschöner Natur. Hauptattraktion ist der 6m breite Wasserfall, an dem der Nil in eine tiefe Schlucht stürzt. So die Broschüre…

Nach einiger Zeit hier könnte man meinen, man gewöhne sich daran, dass nie etwas so läuft, wie man es plant oder es sich vorstellt, aber so ist es nicht. Anne und ich hatten den Trip gut geplant und durchkalkuliert, was wir an Budget mitnehmen müssten. Am Abend zuvor überraschte uns Andrew noch mit der Nachricht, dass er ein Auto von einem Bekannten mieten konnte, so dass wir nun nicht mehr auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen waren. Die Safari Truppe bestand aus Anne, mir, Andrew (der mittlerweile zu einem guten Freund für uns geworden ist), Daniel (ein Freund von Andrew, der auch Direktor an Andrews Schulprojekt ist) und dem Jungen, der bei Andrew auf die Kühe aufpasst (hier ab jetzt KJ genannt – kurz für Kuh-Junge. Sorry, aber ich weiß seinen Namen nicht und KayJay klingt doch fast pseudocool).

Früh morgens um 6 sollte es losgehen und Anne und ich wussten bereits, dass es mal locker halb 8 wird, bis wir loskommen - So ist das, wenn man mit Ugandern reist. Es wurde halb 9, aber wer wird das schon ganz genau nehmen. Daniel, der das Auto abgeholt hatte, erklärte uns den Grund für die Verzögerung:

In der Nacht hatte es leicht geregnet und die Feldwege, die man hier Straße nennt, waren schwer befahrbar. Auf dem Weg zu uns war er bereits einmal steckengeblieben, denn das gemietete Auto hatte keinen Allradantrieb (Stephen King’sches Foreshadowing: Ein Fehler, der sie noch verfolgen sollte). Trotzdem freuten wir uns, dass es endlich losging. Auf dem Weg sind wir dann noch zweimal im Matsch steckengeblieben und einmal konnten wie nicht weiter fahren, weil uns das Benzin ausgegangen war. Die Tankanzeige des Autos war nämlich auch kaputt, so dass man munter schätzen durfte, wann das Benzin leer war (in diesen Fall: beim Strich über dem Reservebereich).

Über bucklige Straßen mit riesigen Schlaglöchern erreichten wir nach 3 Stunden das Tor zum Nationalpark. Vor Ort waren auf einmal alle drei Ugander über den Eintrittspreis verwundert und eröffneten uns, dass sie KEIN Bargeld mitgenommen hätten. Die Drei hatten mit Mobile Money geplant (ein Handy-Bezahl-Service), aber das funktioniert im Park nicht. Also mussten Anne und ich für die Ugander vorstrecken, was uns ganz schön aus dem Budgetplan geworfen hat. Die Dame am Gate war auch noch unfassbar unfreundlich, schien total genervt von uns zu sein und hatte keine Lust uns irgendwelche Auskünfte zu geben, abgesehen von „Es kostet so und so viel“ „Da kann man nichts ändern“…


Im nächsten Teil lest ihr, wie es im Park mit zu wenig Geld weiterging, warum Baboons nach einiger Zeit nicht mehr attraktiv sind und von unserer Safari zu einer Zeit in der angeblich „alle Tiere schlafen, so dass man sie eh nicht sieht.“

Julian

Dienstag, 28. Oktober 2014

Stein auf Stein

Construction Part II

Unser Projekt, zwei neue Klassenräume zu bauen, läuft auf Hochtouren. Alle Wände stehen, die Räume sind innen gepflastert, die Tafel ist angebracht und das Blechdach wird von einem Holzgerüst gehalten. Am Wochenende wurde der Boden fertig gemacht, die Eingangstreppe gebaut und die Frontseite verputzt. Wenn ich vor dem kleinen Gebäude (was gar nicht so klein geworden ist) stehe, bin ich doch schon mächtig stolz auf das was wir gemeinsam geleistet haben. Ich bin auch einfach glücklich, dass wir so viel Unterstützung erhalten haben! Ohne euch (jaaa, fühl dich angesprochen!) hätten wir das alles nicht so umsetzen können.



Was wir jetzt alles können (auf die afrikanische Art): Wände hochziehen, verputzen, Holzgerüst aufstellen, Dachgerüst bauen, auf den Dachbalken rum klettern und sie als Termitenschutz mit altem Motoröl bestreichen (Gott sei Dank haben uns die Mamas bei der Arbeit nicht gesehn), Bodenschichten vorbereiten, Statik prüfen und natürlich, was auch nicht fehlen darf: Zement anrühren (der Zementmischer ist man selbst, bewaffnet mit einer Schaufel).

Was als nächstes ansteht sind die Fenster (mit vergittertem Glas- nicht schön, aber sicher), (Blech)Türen mit Schloss, die Malereiarbeiten (ich freu mich schon riesig drauf- ich darf mich mit vielen Farben austoben :D ) und die Einrichtung. Das alles wollen wir bis Mitte/Ende November fertig gestellt haben. Wenn ich so davon schreibe wächst meine Vorfreude immer mehr und ich seh die kleinen Kids schon darin spielen <3.

Anne

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Küssen verboten

Nachmacher...

Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit sind in Uganda nicht ganz alltäglich. Anne und ich ernten schon mal seltsame Blicke wenn wir uns umarmen oder uns flüchtig küssen. Wir halten uns auch einigermaßen damit zurück, aber wenn man z.B. den ganzen Tag in der Schule verbringt, dann küsst man sich als Paar halt schon manchmal.
Kirabo hat uns gestern Abend von einem Elterngespräch erzählt, das sie tagsüber hatte:
Eine Mutter kam zu ihr und hat ihr gesagt, dass sie gesehen hat wie ihre beiden Töchter sich heimlich hinter einer Tür geküsst haben. Als die Mutter gefragt hat, was die beiden da machen haben die Kids grinsend geantwortet: „We do like Bazungu are doing!“ (Bazungu = mehrere Weiße)

Jaja – Vorbildfunktion und so. Dabei singen Anne und ich den Kindern schon dauernd „Küssen verboten“ von den Prinzen vor.

Julian

Mittwoch, 15. Oktober 2014

auf den Straßen Ugandas

Die Todesursache N°1 ist auf Boda Boda-Fahrer zurückzuführen...

Heute wurde direkt vor der Abato School einer unserer Schüler, der sich gerade auf seinen Heimweg machen wollte, von einem Motorradtaxi angefahren. Die sogenannten Boda-Bodas sind hier in Uganda üblich um schnell von A nach B zu kommen und die Fahrer sind bekannt für ihre riskante Fahrweise. Mit einer älteren Dame als Passagierin hat der Motorradfahrer den 5-Jährigen umgefahren. Dabei fielen Fahrer und Passagierin vom Motorrad. Als eine alte Dame und ein Kind mit offenen Wunden am Boden lagen, verschwand der Fahrer. Fahrerflucht.

Das Kind ist dann nach Hause zu den Eltern gelaufen, weil es nicht wusste, was es sonst tun sollte. Mit Hilfe einer Lehrerin der Abato School kam das Kind später am Tag ins staatliche Krankenhaus von Mpigi. Dort wollte oder konnte man dem Kind aber nicht helfen. Für eine Privatklinik (und somit die einzige Möglichkeit in Uganda schnelle medizinische Hilfe zu erhalten) hatten die Eltern des Jungen kein Geld. Ungefähr zu dieser Zeit erfuhren Anne und ich an der Schule von den Geschehnissen und Anne war sofort entschlossen, dem Kind zu helfen. Wir stiegen also ins Auto und fuhren zum Staatskrankenhaus. Dort sammelten wir das Kind, seine Eltern und die Lehrerin auf und fuhren sie zu einer Privatklinik. Wir erklärten uns bereit die Kosten zu tragen. Nach einer Stunde waren die Gesundheitschecks abgeschlossen und die offenen Wunden behandelt. Dem Kleinen geht es gut, er ist mit dem Schrecken und einigen kleinen Platzwunden davon gekommen. Trotzdem, sowohl das Verhalten des Fahrers, als auch die Gesundheitsversorgung Ugandas hinterlassen ein flaues Gefühl bei uns.


Julian

Sonntag, 12. Oktober 2014

Fußballturnier

Der FC Bayern München in Uganda

Mein Cousin Nils (11) hat mir immer ganz begeistert zugehört, wenn ich ihm von Uganda erzählt hab. An einem Abend meinte er, dass er noch Fußballtrikots hätte, die er gerne den Kindern der Abato School geben würde. Das hat mich so krass gefreut!
Als Christina nach ihrer Ankunft ihren Koffer auspackte, kamen da auch noch weitere Trikots zum Vorschein. Ha! Jetzt hatten wir insgesamt zehn FC Bayern München Stücke. Uns war schnell klar, dass wir ein Turnier veranstalten wollen; die Trikots sollten die Preise werden.
Am Freitag war es dann endlich so weit. Alle Kids der Primary School waren wie wild und voller Vorfreude auf die Spiele. Nach einem chaotischen, aber dennoch lustigen Aufwärmen gings los. Die Kids der Preschool standen schreiend, jubelnd, singend und tanzend am Rand und feuerten die Großen mit aller Kraft an.
Am nächsten Schultag war die Siegerehrung. Alle Kinder der Schule wurden in den größten Raum gerufen. Für das Siegerteam gabs Gummibärchen (Gesponsert von Papa. Danke :* ). FCB Kappe/Hose/ Trikots gabs u.a. für den fairster Spieler, das schönste Tor, den besten Teamplayer, die beste Spielerin und das beste Anfeuern.
Wir waren etwas verwirrt, da es so schien, als ob sich manche Kinder auf der Bühne nicht so sehr freuen würden, eher reserviert waren. Die Lehrer haben uns dann aber später aufgeklärt: Die Kids waren sprachlos, sie haben nicht mit so etwas gerechnet und waren schlicht überwältigt. Später am Tag hat man sie dann grinsen gesehen, als man sie auf ihre Preise ansprach oder sie sie ihren Mitschülern präsentierten. Sie waren stolz wie Oskar.
Nils, diese Freude geht an dich. Ich wünschte du hättest ihre Gesichter sehn können.

Anne

Montag, 6. Oktober 2014

Snickers in Kampala

Gelüste am Abend

Spät am Abend unterwegs in Kampala mit unseren Freunden Andrew und Leo. Nach einem langen Tag sind wir auf dem Heimweg und Anne sagt „I want a Snickers.“ Kein Problem erklären die Jungs. Ich frage, ob wir in den Supermarkt hier gehen sollen, aber beide sind sich sicher, dass es das dort nicht gibt. Sie sagen es seien Leute unten an der Straße, die das verkaufen. Anne und ich denken uns ‚Ist halt so in Uganda‘ und folgen den beiden. Andrew spricht einen Mann an, der vor einem Haufen Schuhen steht und diese wohl verkauft. Der Mann schüttelt den Kopf. Leo erklärt uns, der Mann der das hätte, was wir wollen, sei schon weg. Daraufhin gehen Anne und ich eigenmächtig in den Supermarkt und finden Snickers. Die beiden Jungs sind richtig verdutzt: „Oh Snickers! You wanted Snickers?! We thought Sneakers…“

Julian

Sonntag, 5. Oktober 2014

Fotos

weil Bilder doch wieder eine ganz andere Geschichte erzaehlen...

es ist nur eine kleine Auswahl, von all dem, was wir in den letzten Wochen erlebt haben.
Wenn man schon mal wlan hat, dann muss man das auch ausnutzen ;)


--> hier gehts zu den Fotos

Freitag, 26. September 2014

Wir bauen...

Zwei neue Klassenräume

Die Schule ist mittlerweile so richtig gestartet und tatsächlich kommen auch immer noch neue Anmeldungen für dieses ‚Halbjahr‘. Das ist beeindruckend!
Insgesamt hat Abato acht Klassen: 3 Klassen in der Preschool (Vorschule): Baby Class, Middle Class, Top Class und 5 Klassen in der Primary School (Grundschule): P1 bis P5. Die Kleinsten sind 3 Jahre alt, die ältesten 13.
Die Klassenstärke ist sehr unterschiedlich. Besonders die Klassen der Primary School bieten optimale Lernverhältnisse mit durchschnittlich 12 Kids in einer Klasse. Im Gegensatz dazu ist die Preschool etwas überlaufen. In Babyclass sitzen aktuell über 50 Kleinkinder, die spielend lernen. Es ist immer herrlich, wenn man sie vom Schulhof aus laut gemeinsam singen hört, wie sie durch den Klassenraum hüpfen und in die Hände klatschen. So fröhlich sie auch (fast) immer zu sein scheinen, Platz ist definitiv nicht genug da.



Mit den Spenden, aus unseren Spardosen, die wir bei Mama in der Praxis und in der Florstädter Metzgerei Walther aufgestellt hatten, konnten wir ein neuen Projekt starten: Zwei neue Klassenräume sollen her! Wir haben einen Plan gemacht, die Kosten kalkuliert und waren einkaufen.

Der afrikanische Baumarkt ist etwas anders. Es gibt quasi für alles einen eigenen Laden. Eine schmale Tür oder ein breites Fenster führen in den Verkaufsraum, der ca. so groß ist wie Papas größte Garage. Gabelstapler gibt’s nicht. Hier wird alles auf dem Kopf getragen und aufs Auto geladen. Quasi ungesichert geht’s dann ab auf den Heimweg, immer hoffend, dass man die Ladung beim nächsten Schlagloch nicht verliert.

Im Dunkeln wurden die Sachen abgeladen und am nächsten Morgen ging es los. Zwei Maurer, unser Nachtwächterhausmeisterordnungshalter und wir drei Deutschen gingen an die Arbeit. Aus selbstgemachten Steinen haben wir angefangen die Mauer hochzuziehen. Anfangs waren die Maurer noch etwas skeptisch, waren eher ruhig. Mittlerweile sind sie aber aufgetaut, kommen uns entgegen, zeigen uns wie wir Sachen besser machen können, schmunzeln und überlassen uns sogar die ein oder andere wichtige Aufgabe.

Highlight war, dass wir um die vielen Backsteine zur Baustelle zu transportieren eine Reihe mit (gezählten) 59 Kindern gebildet haben und Stein um Stein weitergegeben haben.


Die Arbeit macht wirklich Spaß und es ist ein großartiges Gefühl am Ende des Tages einen Blick auf den Fortschritt zu werfen und zu sehen, wie das neue Gebäude wächst. Profi-Maurer sind wir jetzt, aber so ein Gebäude braucht auch ein Dach und das wird nochmal eine ganz eigene Herausforderung. Trotzdem, wenn das Gebäude erstmal steht werden die Kids total happy sein und es ist eine Erinnerung an Julian&Anne in Uganda.




Um die Klassenräume komplett fertig zu stellen, fehlen uns noch einige Materialien. Wir haben einen Fundraiser (Spendenaufruf) gestartet, um hoffentlich mit neuen Spendengeldern alles Notwendige ganz bald auftreiben zu können.

Anne

Montag, 22. September 2014

Good Foundation School

Unterricht unterm Mangobaum

Moses wollte uns etwas zeigen. Alle rein ins Auto und rein in den Busch. Mpigi, der Ort in dem wir wohnen, wird hier schon immer als ‚ländlich‘ bezeichnet, doch wo wir diesmal hinfuhren, war das absolute Hinterland. Knappe 20 Minuten Buckel-Ruckel-Rutsch-Berg-Pisten-Fahrt später kamen wir an. An einer Schule. Ohne Schulgebäude. Die Schüler sitzen unter Mango Bäumen und diese markieren die ‚Klassenräume‘. Nur ein großes Gebäude ist in Sicht: Natürlich eine Kirche. Wir stiegen aus dem Auto und wurden direkt entdeckt. Daran, dass man uns anstarrt und „Muzuuungu“ von allen Seiten gerufen wird, haben wir uns gewöhnt, aber diese Blicke waren anders. Verschüchtert, zurückhaltend und doch sehr neugierig. Auch die Verantwortlichen schienen es kaum glauben zu können. Weiße bei ihnen in der Schule?! Wir wurden herzlichst begrüßt und vom Schulleiter und Co-Gründer der Good Foundation, die die Schule betreibt, herumgeführt. Oder sollte ich sagen: Auf den Präsentierteller gesetzt? Er nahm uns mit zu jeder Klasse, stellte uns vor die Schüler und forderte diese auf die Gäste zu begrüßen. Ganz unbehaglich standen wir da und haben immer lieb ‚Hallo‘ gesagt, aber die Schüler trauten sich kaum den Mund zu öffnen. Währenddessen war in der Kirche ein großes Fest. Wir nahmen kurz am Gottesdienst teil und aßen traditionell afrikanisch mit den Händen. Irgendwann wurde es Anne und mir aber zu lange und wir wollten noch einmal rausgehen und den Kontakt zu den Schülern suchen. 

Die Schule war mittlerweile vorbei und die Kinder nahmen wahr, und auch die Kinder bemerkten, dass wir da waren. Man kam näher, aber nicht zu nah, was dazu führte das irgendwann Anne und ich auf der einen Seite standen und mit gut fünf Metern Abstand ein Pulk aus Schülerinnen und Schülern die uns anguckten, kicherten und miteinander flüsterten. Da habe ich die Initiative ergriffen und mich einfach mal mitten in die schwarze Gruppe gestellt. Ich habe nichts gesagt. Einfach fünf große Schritte nach vorne und mitten rein in die Meute. Erst wollten sie mir Platz machen, dann haben sie es verstanden. Anne kam dazu und dann ging es richtig los: Wir fanden heraus, dass fast alle Schüler dort noch nie einen Weißen vor sich hatten. Noch nie im Leben! Anne in ihrem Element: „Do you want to touch my hair? It’s very different from yours!” Ich natürlich mitgemacht und auf einmal rieben gefühlt 20 Hände über unsere Köpfe. Schrilles Lachen, Freudenschreie, Aufregung. Es war richtig laut! Ich glaube diese Kids hatten richtig Spaß mit uns. Natürlich haben wir auch noch ein paar andere Unterschiede zwischen uns und ihnen und mein Tattoo gezeigt (ist hier immer der Renner!). Noch etwas von Deutschland erzählt, diesem Wunderland, dessen Reichtum sich hier wohl keiner richtig vorstellen kann, obwohl wir schon bewusst immer untertreiben und dann mussten die Schüler leider den Heimweg antreten. Was für ein Tag für uns und für die Kinder, die unter Mangobäumen lernen.


Julian

Samstag, 13. September 2014

Fußball im Nationalstadion

Uganda vs. Guinea

Über Freunde hatten wir erfahren, dass am Mittwoch ein Spiel der ugandischen Nationalmannschaft in Kampala stattfindet. Auch die eher Fußball verschmähenden Mädels waren sofort dafür, dass wir diese Erfahrung mitnehmen, also ging es ab ins Nelson Mandela Stadium. Moses, selbst ehemaliger Jugendnationalspieler für Uganda hat sich bereit erklärt uns zu fahren und war gleichzeitig zum ersten Mal als Zuschauer in diesem Stadion. Vor dem Stadion haben wir uns mit Andrew getroffen, einem Freund von uns, den wir auch prompt am Eingang wieder verloren haben. Reingehen war nämlich gar nicht mal so einfach: Massenhaft Menschen vor schmalen Durchgängen, die partout nicht aufgehen wollten. Eine viertel Stunde vor Anpfiff standen wir immer noch in einer drängenden Masse, umgeben von Militärpräsenz (das ist hier relativ normal – Maschinengewehre sieht man in Uganda ständig). Fünf Minuten vor Anpfiff standen wir dann in unserem Block, hatten allerdings keine Zeit mehr gehabt nach Andrew zu suchen. Als das Spiel losging war die Stimmung richtig gut, gefühlt waren nur Ugander und einige Touristen in Uganda Shirts im Stadion, so dass das Guinea Team ohne zwölften Mann spielen musste. Als Andrew uns anrief, bin ich mit Christina raus, um ihn zu uns zu holen und noch  an ein obligatorisches Stadionbier zu kommen. Wenn man schon mal Deutscher ist und beim Fußball, dann muss auch die Bierkultur gewahrt werden! Dummerweise hörte ich als ich gerade ein kühles Nile Special in einen Plastikbecher umgefüllt bekam, ohrenbetäubendes Johlen und Kreischen und Jubeln und Ausrasten. Jap – Tor Nummer 1 für Uganda hatte ich verpasst. Zum Glück sollte als ich drin war auch noch Tor 2 folgen und das war richtig sehenswert. Seitlich aus 12m angedreht in den Winkel. Geiles Ding.

Das eigentliche Highlight sollte aber dann in Hälfte Zwei folgen, auch wenn keine Tore mehr fielen. In einer Phase in der Guinea stärker wurde und das ugandische Team gefühlt vor dem ersten Gegentor stand, ging plötzlich das Licht aus. Zack, Dunkel. Ein Lichtmeer aus Handys der Fans erhellte das Stadion und der Sprecher versicherte über die Boxen: „Power will be back in a few minutes, please stay calm.“ Moment … über die Boxen? Über die elektronisch funktionierenden Boxen? Wieso sind die noch aktiv, wenn doch der Strom ausgefallen war? Moses hatte später am Abend die Erklärung für mich: Er glaubt es war ein Trick der Heimmannschaft. Um die Fahrt aus dem Spiel des Gegners zu nehmen, hat man diese Unterbrechung erzwungen und Uganda hat das 2:0 über die Zeit gebracht. Wir haben nur Indizien dafür, aber es klingt plausibel. Das wäre zwar hammerhart, aber passt auch irgendwie gut hier rein. Wie auch immer: Go Cranes! Go Uganda!

Julian

Freitag, 12. September 2014

Keine Windeln

…die sind doch völlig überbewertet, oder?!

Moses und Christina saßen bereits im Van, Moses am Steuer, Christina in der Mitte der Rückbank mit dem kleinen Arthur auf ihrem Schoß. Und dann ist es wieder passiert. Der 7 Monate alte Arthur hat im hoooohen Strahl nach vorne gepinkelt (keine Hose, keine Windel, nur ein Shirt – totaler Standard), hat sogar das Radio getroffen –uuund die Lederjacke von Moses komplett und flächendeckend besprenkelt. Als ich dann auch zum Auto kam, konnte ich mich nicht zurück halten und musste sooo lachen! Eigentlich wollte ich mich zusammen reißen, aber die Stimmung war doch zu gut. Trotzdem haben wir dann, immer noch kichernd, sauber gemacht.
Arthur hielt es für wichtig, noch eine Zugabe zu geben. Tjaja… ich stand diesmal vor ihm und dieses Mal hat mich sein Strahl erreicht. Shirt und Hose waren nass. Ich konnte nicht anders, als nur noch mehr lachen und nicht mehr aufhören. Ich musste mich krümmen vor Gelächter, mein Bauch begann zu schmerzen (danke Muskelkater!) und es trieb mir die Tränen in die Augen. Ein paar Minuten verstrichen bis ich mich wieder beruhigen konnte und es mir gelang mit dem Lachen aufzuhören.

Dinge zum erstem Mal tun: Pinkelstrahl abfangen. Check!

Anne

Dienstag, 9. September 2014

Schulstart

Der ganz normale Wahnsinn

Am 8.9.14 war es soweit. Das dritte Trimester der Abatoschool begann, und wie. Nämlich erstmal typisch ugandisch 90 Minuten später als vorgesehen. Beginnen wir am Anfang. Wir sollten um 7:45 Uhr fertig im Haus auf Moses warten, dieser wollte zuerst die Kinder die nicht in Laufdistanz wohnen zur Schule fahren, dann uns abholen und dann mit uns schnurstracks zur Abatoschool. Moses Ankunft verzögerte sich leider, so dass wir im Endeffekt ca. um 9 Uhr an der Schule waren (um 8 sollte der Unterricht beginnen). Dort angekommen sahen wir das Chaos: Alle Kinder tollten vor der Schule herum nur ganz wenige waren in ihren Klassen. Es waren noch nicht alle Lehrer da und die die da waren, waren mit Unterrichtsvorbereitung oder Klassenraum putzen beschäftigt. Das alles ist typisch für Uganda und Moses ein großer Dorn im Auge. Wir als Deutsche merken hier tatsächlich immer wieder was die guten alten deutschen Tugenden so Wert sind. Und Moses erzählt uns ständig, wie gerne er diese in die ugandische Gesellschaft einführen würde. Nachdem dann eine halbe Stunde lang dies und das gemacht wurde, ging es für die meisten Klassen los. Merkwürdig, dass irgendwie keine Klasse zeitgleich mit einer anderen begann, sondern alle einfach wenn der Lehrer so weit war. In Woche 1 kommen auch noch nicht alle Kinder. Der Grund dafür ist mir persönlich ein Rätsel. Vielleicht sind manche einfach so massiv verspätet, dass sie eine Woche brauchen um zu checken, dass die Schule anfängt? Ich weiß es nicht, ich verstehe es nicht, ich finde es unfassbar, aber es ist halt so.


Da wir noch einiges an Plakatierarbeiten und Organisatorischem zu erledigen hatten gingen wir erstmal nicht mit in die Klassen. Um ca. 12 Uhr war Team Deutschland fertig mit all seinen Aufgaben, also beschlossen wir jeder in eine Klasse zu gehen, den Unterricht, die Lehrer und die Kinder besser kennenzulernen. Christina saß bei Mr. Charles im Unterricht. Der wohl beste Lehrer der Abatoschool hatte seinen komplette Stunde sehr gut vorbereitet und strukturiert, sogar einen Lesson-plan gemacht, was die Kinder wie lernen und was sie nach der Stunde können müssen. Anne war im Matheunterricht bei einer Lehrerin, die sehr seltsam schriftliches Addieren erklärte. Anne hat versucht den Kindern so gut wie möglich zu helfen, mit Steinen zur Visualisierung, aber es ist und bleibt sehr schwer den Kindern hier effektiv etwas beizubringen. Ich kam in eine Klasse deren Lehrerin gerade nicht drin war. Stillarbeit war eigentlich angesagt aber einige Schüler waren bereits fertig mit ihrer Aufgabe. Die Aufgaben waren ungefähr so: „Ergänze den fehlenden Buchstaben im folgenden Wort: Sch_le“, keine große Herausforderung sollte man meinen, doch das Niveau der Schüler war sehr unterschiedlich. Manche hatten alles richtig, andere waren nicht in der Lage korrekt von der Tafel abzuschreiben. Ich half denen, die Hilfe brauchten so gut ich konnte, aber ob sie es am Ende wirklich verstanden haben, bleibt erstmal fraglich.

Sonntag, 7. September 2014

Poster, Poster, Poster

... und noch ein paar Plakate

Es ist üblich, dass man in Uganda die Klassenraumwände mit Informationen zuklebt. So hat man die ‚Tafelbilder‘ immer wieder parat und kann sie so häufig wiederholen, bis die Schüler sie richtig drauf haben.
Moses meinte mal, dass er am liebsten alle Klassen selbst unterrichten würde, wenn er das zeitlich irgendwie hin bekommen könnte. Er ist nämlich kein Fan von der klassischen ugandischen Unterrichtsweise, er ist gegen den einseitigen Frontalunterricht, will, dass Kinder in Gruppenarbeiten selbstständig denken lernen. Soweit es ihm möglich ist, bestimmt Moses aber den Lehrplan. Also wurden zu den Inhalten, die Moses für besonders relevant hält, Plakate gemalt. Gefühlt hunderte. Christina und ich haben vorgezeichnet, Julian hat sich etwas versucht und die Kids haben uns beim Ausmalen geholfen. Hauptsache schön bunt! Unsere Vorschläge und Ideen wurden herzlich entgegen genommen und auch umgesetzt. Vor allem Kirabo war begeistert von unseren Plakaten. Sogar von Julians. Es ist wirklich ein schönes Gefühl, Wissen weiter zu geben und damit (hoffentlich) dafür zu sorgen, dass die Kinder erfolgreicher lernen.












Anne

Verstärkung

Es geht einfach nicht anders!

Sie sind einfach überall und sie ziehen sich magnetisch an. Egal an welchem Fleck der Erde man ist, man wird immer ein „Ei jo!“ oder ein „Kannst du das das bitte mitholen?“ hören. Ahhhhh, ein Saarländer! Wie schön!

Auch in Uganda sollte das natürlich nicht anders sein. Und wie es der Zufall so wollte, sollte man sogar dasselbe Projekt unterstützen und im selben Zimmer übernachten. Christina Herrmann, die mit mir Abi gemacht hat, ist seit Mittwoch in Mpigi. Erst durch Moses hatten wir erfahren, dass die jeweils andere zur selben Zeit Freiwilligenarbeit leisten wird. Es ist richtig schön zu dritt. Wir sind ein gutes Team und die Ideen sprudeln nur so aus uns heraus. Richtig viel freuen wir uns auf morgen, auf den Schulbeginn und vor allem auf die Kids!

Anne

Dienstag, 2. September 2014

auf dem Weg zur Selbstversorgung

Feldarbeit

Um die Kinder in der Abato School und auch die eigene Familie zufeldlässig und kostengünstig mit Lebensmitteln versorgen zu können, hat Moses beschlossen ein Stück einer organischen Farm zu erschließen. Darum heißt es für uns nun Feldarbeit. Etwas einfeldig dachte ich, das kann ja nicht so schwer sein, ein Feld zu bestellen. Falsch gedacht, dass ist eine dieser Arbeiten, die einem schon nach einigen Minuten sehr schwer feld.

Oh sind mir da ein paar Feldsprecher unterlaufen? Okay – genug schlechte Feldwortspiele – auf zum eigentlichen Inhalt:

Wir kamen also an, gefühlt mitten im Busch, und bekamen erklärt, dass wir nun mit unseren Harken ein großes Stück der mit Baumstümpfen, Sträuchern, Kräutern, Termitenhügeln und sonstigem Kram bewachsenen Fläche beackern sollten. Alle zusammen machten wir uns ans Werk. Harke in den Boden hauen, ein kleines Stück Acker freilegen, Harke wieder in den Boden hauen und so weiter. Meine Bewunderung für alle Landwirte und Feldarbeiter stieg von Minute zu Minute. Das war richtig schweißtreibende, harte Arbeit. Witzig war, dass weil wir so viel Erdreich und Kleingetier freilegten plötzlich eine fröhliche Schar Hühner hinter uns auftauchte und ein Festmahl auf dem Acker genoss. Unsere Werkzeuge ließen mit der Zeit leider immer mehr zu Wünschen übrig,  denn die Harken brachen eine nach der anderen von ihrem Stil und wurden ständig ‚repariert‘ = man haut ein Stück Stil mit der Machete ab und hämmert ein kleineres Holzstück in die entstandene Lücke, so dass die Harke für fünf weitere Stiche einsatzbereit ist und dann erneut repariert werden muss – Hurra.

Die Machete dient hier übrigens als Universalwerkzeug, sie wird eingesetzt als Säge, Messer, Schaufel, Harke, Schuhputzmaschine, Armverlängerung, Fluxkompensator und Teilchenbeschleuniger. Mein nächster Patentantrag wird die Schweizer-Taschen-Machete. Damit wird man hier in Uganda reich.


Nach einigen Stunden (genau weiß ich es nicht mehr, wohl so 4-5) hatten wir gut was geschafft und alle waren total müde. Moses beendete den Tag mit der guten Nachricht, dass wir das insgesamt mit einem Hektar Land vorhaben (das heißt ca. ¼ war erledigt). Er denkt in einer Woche sollte das zu schaffen sein. Die Blasen an meinen Händen sagen Danke. Und trotzdem: Wenn wir erstmal Mais, Bohnen und Cassava gepflanzt haben und die Kids davon essen können, werde ich froh und stolz sein, dass wir unseren Beitrag dazu geleistet haben.

Julian

Montag, 1. September 2014

Barbershop

Ne Frisur bei weißen Männern? Kann ich nicht!

-Julian: Wieviel kostet der Frisör?
-Eria: 2000 oder 3000.
-Julian: Ok, mehr zahl ich dann auch nicht.

Rein in den ersten Barbershop. Ein Haarschnitt für den Muzungu soll 5000 kosten. Nööö, nur wegen der Hautfarbe zahlen wir doch nicht mehr! Verhandeln wollte man nicht, also sind wir weiter gezogen. Mittlerweile war der Strom wieder ausgefallen.
Apropos Strom… hier gibt’s Strom! Und meistens sogar den kompletten halben Tag. Ausfälle gibt es immer wieder, deswegen auch genügend Taschenlampen und Kerzen. Manche Geschäfte im kleinen Stadtzentrum haben einen Traffometer. So auch der nächste Barbershop, den wir fanden.
Auf die Frage hin, ob er Julians Haare schneiden würde, schüttelte der Frisör nur wild den Kopf; er könne das nicht. „Just like this“ erklärt Julian und rubbelt Eria dabei über den Kopf „with the machine.“ Der Frisör ließ sich breit schlagen und willigte mit einem „I can try“ ein. Traffo anschmeißen und rein in den ca. 6m² großen Laden, der übersäht war mit Spiegeln. Das Summen der Maschine begann, die Haare fielen und immer mehr neugierige Blicke wurden in den kleinen Raum geworfen. Kinder hoben das abgeschnittene Haar vom Boden auf, begutachteten es kritisch und rannten mit einer Hand voller Haare laut rufend nach draußen.


Und da saß er, nun 1500 UGX (ca. 0,50 €) ärmer: Julian mit ganz kurzen Haaren und ohne Bart. Joar, ne. Sieht ganz schön sch…… ön aus. Ganz wunderschön! Und hier schwingt auch überhaupt keine Ironie mit.


Nachdem die Jungs zunächst lautstark protestiert hatten, waren immerhin sie dann doch begeistert. Er sähe jetzt aus wie Jean Claude van Damme. Klaaaaaar. Alle Weißen sehen gleich aus!

Anne

Sonntag, 31. August 2014

Sport in Mpigi

Von Joggen und Fußball

Wie deprimierend. Ich hatte mich so aufs Laufen gefreut (alleine soll ich nicht gehen). Dann wurde es aber doch so spät und die Idee mit den Jungs zum Fußballfeld zu laufen, wo sie Training haben, wurde auch verworfen, da wir zu einen anderen Feld gingen als dem das wir kannten, keine zehn Gehminuten vom Haus. Doof! Ich bin halt mitgedackelt, schließlich hatte ich mich ja schon umgezogen und alles. Von der Straße aus konnte man das Fußballfeld schon von weitem sehn. Es war eine riesige größtenteils mit Gras bewachsene Fläche aus der vier dicke Äste ragten, die man als Tore in den Boden gerammt hatte. Zwischen dem Alter von 3 bis gute 20 war alles vertreten. Da waren Kinder mit Fußballschuhen und Trikot, aber auch Kinder mit kaputten Flip Flops und nur mit T-Shirt bekleidet, dass einem erwachsenen besser passen würde und den Kindern über die Knie hing. Die Wiese war groß genug, dass es für mich Sinn machte meine Runden ums Feld zu ziehen. Das alle einem hinterherschauen, daran hat man sich… naja fast… gewöhnt. Ich bin also immer wieder lächelnd, grüßend und winkend gelaufen. Es hat ca. 5 Minuten gedauert bis die erste Scheu überwunden, und der Mut gesammelt wurde, ab dann lief ich nicht mehr alleine. Immer wieder sind Kinder zu mir gestoßen, forderten mich zu einem Wettrennen heraus und machten eine Runde Pause. Es war herrlich. Zwischendurch sind wir zu 7 gelaufen. In meiner letzten Runde hab ich sie alle nochmal motivierend eingesammelt. Kurz vor Schluss blieb ich nochmal stehen und hab erklärt, dass wir jetzt ein Wettrennen machen. Alle zusammen. Auf los gings brüllend, schreiend und lachend los. Zuerst bin ich im Pulk mitgelaufen und hab angefeuert; aber dann konnte ich es doch nicht lassen und hab das Tempo angezogen bis ich dann als Erste im Ziel war xD ….musste einfach sein.
Ich dachte ich geb einfach allen ein High Five und dann spielen sie weiter. Falsch gedacht. Die Kinderaugen schauten mich nur weiter an und warteten darauf, was ich als nächstes machen würde. Okay. Also wird gedehnt und gekräftigt. Vieles kannten sie nicht, aber die Kleinen haben ganz genau hingeschaut und mir nachgeeifert (sogar als ich hüpfen musste, um beim Einbeinstand das Gleichgewicht nicht zu verlieren…). Es wurde viel gegiggelt und gekichert. Nach und nach kamen immer mehr Kinder, bis ich schließlich von 16 Kindern umgeben war. Man fragte mich aus und natürlich kam auch die Standard-Bitte: Singst du was für uns? Sing was! Sing was!
Ooooohhh, das muss ich noch üben!

…..

„Julian will you come play football with us?” Seit vier Tagen fragen mich Moses Neffen (drei Jungs im Alter von 13-16), ob ich mit Ihnen Fußball spielen gehe. Als sie gestern meine Fußballschuhe entdeckten, gab es helle Begeisterung. Die letzten Tage hat uns entweder das Wetter oder die Arbeit einen Strich durch die Rechnung gemacht – heute hat es endlich geklappt. Auf dem Weg zum Feld schon das erste tolle Erlebnis: Eine Gruppe junger Männer (vielleicht Ende 20) hatte uns entdeckt und alle riefen „Muzungu Muzungu!“ … diesmal war ich vorbereitet. Von Andrew und Leo (Leo ist Annes Freund, der damals den Kontakt mit Moses hergestellt hat) habe ich als Antwort: „Oli otya?“ = Wie geht es dir? gelernt. Ich also den Männern lässig in Luganda geantwortet und plötzlich waren alle aus dem Häuschen. Schreien, Lachen, Begeisterung. Eine Gruppe Kinder die etwas weiter vorne auf der Straße war hörte mein Luganda, rannte auf uns zu, „Muzungu! Muzuuuuuuungu!!!“ und wir waren umringt von ca. 15 lachenden Kindern. So etwas kann einem nur hier passieren.
Am Feld angekommen ging’s dann los. Anne hat das Feld ja schon sehr treffend beschrieben. Man musste wohl mindestens 13 sein um mitspielen zu dürfen und es gab nur einen Weißen – mich. Naja was soll’s, ich habe mein Team sehr freundlich begrüßt und dann ging es auch nach diversen Rufen, die ich alle nicht verstand, einfach los. Das Gegner Team steckte die Shirts in die Hosen, wir ließen die Shirts draußen. Überdeutliche Trikots würde man hier wohl sagen. Viele hatten Fußballschuhe, wenige trugen Straßenschuhe und einige spielten barfuß. Auf schlammigem Rasen mit viele Löchern, Hügeln, was auch immer, alles kein Problem. Hauptsache Fußball. Dadurch, dass die drei Jungs (Moses Neffen) alle in meinem Team waren, war ich schnell akzeptiert. Der Teamcaptain war etwas älter als ich und lernte sofort meinen Namen damit er mir Anweisungen geben konnte, er spielte die 10er Position, ich so eine Art falsche 9. Bin schließlich Deutscher, also Weltmeister, also kann ich das. Das Spiel hat richtig viel Spaß gemacht, Sprintduelle waren oft eine Herausforderung, zu meinem Glück bin ich ja recht schnell. Diverse Male bin ich ausgerutscht, gestolpert oder umgefallen – alles ganz normal. Und dann kam er: Mein Moment. Ich kann ja echt nicht so geil Fußball spielen, aber was ich nunmal kann ist hoch springen und Köpfen. Danke Handball. Ich hole also im Zweikampf eine Ecke für mein Team raus und sage unserem Captain, dass er die Ecke auf mich bringen soll. Er versteht, nickt mir zu, als ich ihm den Ball in die Hand drücke. Die Ecke kommt gut, ich steige höher als alle anderen, Kopfball gegen den Innenpfosten und rein. Alle staunen, der Captain rennt zu mir und umarmt mich – es war richtig geil. Die Jungs erzählten mir den kompletten Heimweg „you scored such a beautiful goal. It was really beautiful. You jump higher than anybody.“

Mann, ich fange noch an Fußball zu mögen.