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Wir nutzten die Zusatzstunde um eine Bootssafari für den
nächsten Tag zu reservieren. Die Dame an der Rezeption war sehr hilfsbereit und
rief den zuständigen Ranger an. Man garantierte uns, dass es zu fünft kein
Problem sei ein Boot zu reservieren und wir verabredeten auch den Preis (ist
hier immer wichtig.) 30 USD für uns Deutsche und 30.000 UGX (keine 10 €) für
die Ugander – das ging voll klar.
Als wir dann nach unserer extra Stunde Wartezeit auf die
Fähre konnten legte diese überraschend ab. Anne, Andrew und ich waren drauf,
unser Auto, Daniel und der Kuhjunge allerdings nicht. Entsetzt fragten wir den
Fährenfahrer (der gerade mal fröhliche 10 Minuten zu früh losgefahren war und
das, bei der letzten Fähre des Tages) was das sollte. Die Jungs hatten das Auto
schon angemacht, da hat die Fähre einfach abgelegt. „No, no, we come back, we just pick one car on
the other side.” – Effizienz ist hier ein Fremdwort. Die Fähre macht
tatsächlich zwei extra Fahrten wegen eines Autos anstatt fünf Minuten länger zu
warten und sich das zu sparen. 19 Uhr auf der Fähre, alles dunkel und am Himmel
Gewitterwolken, kein Regen aber blaue Blitze die am Himmel zucken. Neben uns an
der Fähre sechs Hippos die uns zu eskortieren scheinen. Die unerwartete
Fährüberfahrt ist doch noch irgendwie faszinierend geworden. Wir sind dann Hin,
Zurück und wieder Hin gefahren, weil wir die Anderen nicht allein übersetzen
lassen wollten, außerdem hätten wir eh auf das Auto warten müssen.
Im Anschluss ging es in das nahegelegene Red Chili Restcamp.
Die Ugander eröffneten uns, dass sie ihre Pläne geändert hatten. Ursprünglich
sollten sie jetzt zurück fahren und Anne und ich wären am nächsten Tag mit
öffentlichen Verkehrsmitteln heim – aber nein! Ungeachtet der Tatsache, dass
sie von Anfang an kein Geld hatten, wollten sie jetzt noch übernachten. Ugander
scheinen oft so eingestellt zu sein, dass sie uns nichts alleine machen lassen
wollen. Was eine Nacht zu zweit im coolen Safari Zelt für Anne und ich werden
sollte, wurde plötzlich durch Andrew ergänzt. Also keine Zweisamkeit, aber
immerhin konnten wir Andrew davor bewahren, als dritte Person im Auto zu
übernachten. Das Camp an sich war echt cool. Essen war gut und zu okayen
Preisen erhältlich, Toiletten waren westlich und es gab richtige Duschen – für jeden,
der länger in einem ugandischen Dorf gewohnt hat, Luxus pur. Außerdem wandert
nachts Hippo Gloria (ja ein echtes Nilpferd) durch das Camp. Warzenschweine,
Fledermäuse und andere Tiere gab es auch! Nicht schlecht.
Am nächsten Morgen sollte die reservierte Bootstour um 7 Uhr
starten. 6:45 Uhr standen wir bei dem Ranger an der Pforte und wollten
bezahlen. Der stellte sich aber mal so richtig quer. 300 USD verlangte er von
uns. Wir versuchten uns auf das Telefonat zu berufen, zeigten ihm die Nummer
die wir angerufen hatten und er sagte sogar noch, dass es seine Nummer ist,
aber er blieb richtig stur und unfreundlich. 300 USD wollte er oder wir hätten
gelitten. Überrascht und wütend über so viel Dreistigkeit (wie gesagt, wir
hatten den Preis extra am Vorabend abgesprochen) änderten wir den Plan. Statt
auf einem Boot zum berühmten Wasserfall zu fahren, wollten wir die Straße
nehmen. Also zurück ins Auto uns los. Die Abbiegung zu den Top of the falls (12
km entfernt) war schnell gefunden, aber die Straße war übel. In der Nacht hatte
es ganz leicht geregnet und das machte die miese Straße unbefahrbar für einen
2-Rad Antrieb. Wir blieben stecken. Und zwar so richtig. So richtig richtig
richtig richtig. Super tief im übelsten Matsch. Was machen die mit den teuren Eintrittsgeldern?!?!?
Ich glaube wir haben eine gute
Stunde gekämpft um das Auto rauszukriegen und es auf der engen Straße zu
wenden, denn für unser Auto war absolut kein Weiterkommen. Das war richtig frustrierend
– zuerst die geplatzte Bootstour und jetzt wussten wir sicher, dass wir den
Wasserfall nicht sehen würden. Resigniert und etwas geknickt traten wir den
Rückweg an.
Ein kleiner Trost blieb aber noch: Am Ende dieser furchtbaren
Straße standen zwei ältere Büffel ganz allein am Straßenrand. Daniel war erst
etwas zu schnell an ihnen vorbeigefahren und dann sind wir langsam im
Rückwärtsgang zurück zu den Beiden. Ein beeindruckender Anblick.
Nach vierstündiger Heimfahrt inklusive (man ahnt es schon)
nochmal fies steckenbleiben auf der Straße zu Andrews Haus, hatten wir es dann
geschafft. Als wir zurück waren, waren wir sehr froh darum. Und ehrlich gesagt
ist das Gefühl flau, was Murchison angeht. Es ist einfach sehr viel schief
gegangen. Trotzdem war den Game Drive echt super.
Mit gemischten Gefühlen habe ich diese Einträge jetzt
geschrieben und bin immer noch nicht sicher, wie ich über das alles denke.
Vielleicht bleibt das auch erst mal so.
Julian

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