It’s all about the game
Also für alle bezahlt und reingefahren in den Nationalpark.
Um 11:50 Uhr fuhren wir durch das Gate auf die ungeteerte Straße. Die ersten
Tiere ließen auch nicht lange auf sich warten, leider waren sie nicht so, wie
wir uns das erhofft hatten. Im Park wimmelt es nämlich von Tse-Tse Fliegen, das
sind furchtbar lästige, bienengroße Insekten, die mit ihrem Biss die sogenannte
Sleeping Sickness übertragen können. Die Viecher sind quasi die unehelichen
Bastard-Brüder von Malaria-Moskitos, bloß dass bei denen kein Insektenspray hilft.
Beide erfüllen keinen Zweck außer dir in Afrika das Leben schwer zu machen. In
den starken Risikogebieten hätten wir eigentlich die Fenster hochmachen müssen,
mit 5 Leuten im Toyota Ipsum ohne Klimaanlage war das allerdings wegen der
Hitze kaum denkbar. Wir lagen also ständig auf der Lauer und ich würde sagen
Anne und ich haben die Welt verbessert, indem wir massenhaft Tse-Tse Biester
von ihr entfernt haben. Nach ca. 20 Minuten wurde es dann zum ersten Mal cool:
Eine Horde Affen saß auf der Straße, direkt vor uns.
Baboons sind laute, wilde
und gemeine Affen, die einem richtig Spaß machen können, wenn man beobachtet
wie sie sich prügeln oder ihre Jungen vor sich herschieben. Die nächsten Tiere
ließen auch nicht lange auf sich warten, denn auf der Straße und an der Seite
saßen … noch mehr Baboons. Okay aber dafür kamen nach fünf Minuten … Baboons?! Okay langsam wurden die
Affen doch unspektakulär, weil sie in Scharen auf der Straßen hocken und man
doch auf weitere Tiere wartet.
Nach zwei Stunden und zig weiteren Baboons erreichten wir
die Fähre, die unser Auto über den Nil schippern sollte. Das verlief alles
recht reibungslos und war auch cool, denn seitlich im Wasser waren
Nilpferdköpfe zu erspähen. Auf der anderen Seite wartete die Straße, die wir
für unseren Game-Drive (das ist das adäquate Wort für rumfahren und Tiere
anstarren) vorgesehen hatten. Ohne etwas zu sagen stoppten die drei Ugander das
Auto direkt nach der Überfahrt, stiegen aus und setzten sich in den Schatten.
Anne und ich waren etwas verwirrt und fragten nach kurzer Zeit was los war. „No animals around this time, all
the games are sleeping because it’s too hot“ wurden wir aufgeklärt. Da
die letzte Fähre zurück bereits um 19 Uhr fuhr, hatten wir eigentlich keine
Zeit zum Däumchen drehen also überredeten Anne und Ich die Anderen einfach
trotzdem loszufahren. Die ansässigen Ugander guckten ziemlich schräg, als unser
Auto als Einziges um halb 3 auf Safari fuhr.
Und was soll ich sagen, diesmal hatten wir Recht! Schon nach
kurzer Zeit stand eine Giraffe neben uns, keine zehn Meter vom Straßenrand entfernt.
Und weil alles leer war sind wir sogar (verbotenerweise) ausgestiegen um etwas
näher ranzugehen und Fotos zu machen. Auf der weiteren Fahrt fanden wir am
Straßenrand Impalas, Uganda Kob, Warzenschweine, Erdmännchen, perlhuhnartige
Vögel und generell zig coole Vögel, die ich als ahnungsloser Anti-Ornithologe
nicht identifizieren kann. Nachdem wir einige Zeit über sehr dicht bewachsene
Straßen gefahren waren und ich mich als Fahrer gleich mehrmals gefragt habe, ob
auf diesen Wegen in den letzten Monaten überhaupt Autos unterwegs waren (die
Beschilderung in Murchison ist … kaum vorhanden?!) sahen wir einen Baum direkt
an der Straße rascheln. Und auf einmal war es soweit – Elefanten! Direkt vor
uns. Fünf Meter vor dem Auto rannten sie über die Straße, gleich vier Stück und
einer stand am Rand und rüsselte an einem Baum herum. Unfassbar krass. Ich war
so fröhlich, dass wir sie gefunden hatten und sie waren uns wirklich nah.
Weiter ging’s in Richtung Nil Delta und als wir dort ankamen, sah die Straße
auch plötzlich wieder besser aus. Wir fuhren neben dem Nil entlang und
entdecken noch mehr Nilpferde beim Baden und Rumlaufen. Das absolute Highlight
war dann eine riesige Giraffenherde.
Bestimmt 30 Giraffen und sie waren uns
super nah. Alle wollten zum Wasserloch und darum sind sie auch nicht weit
weggegangen. Ich habe auch zum ersten Mal erlebt wie Giraffen rennen. Das ist
sowas von majestätisch, es ist ganz langsam und mit ihren stelzen-artigen Beinen
auch sehr eigen. Ich weiß gar nicht recht wie es beschreiben soll. Gegen Ende
unserer Tour sahen wir noch weit entfernt eine Büffel Erde und hatten so mal
lockere 3 von den Big 5 abgehakt.
Als wir um 17:45 am Fähranleger ankamen waren wir erschöpft
und glücklich. Anne und ich dachten, das passe nun perfekt und wir setzen um 18
Uhr über, aber dann: Uganda. Die anderen Drei hatten beschlossen, dass man das
Auto jetzt tanken müsse, an einer Tankstelle die „ganz nah“ sei. Wir
argumentierten, dass wir ja nun eigentlich auf die andere Seite wollten, aber
da war das Auto schon aus der Reihe rausgefahren. Für Ugander ist es kein
Problem eine Stunde sinnlos rumzusitzen und auf die nächste Fähre zu warten.
Im dritten und letzten Teil dann die getrippelte
Fährüberfahrt, mehr ugandisches Pläne umschmeißen, unsere Nacht mit Hippo im
Red Chili Restcamp und unser letzter halber Tag im Park. Spoiler: Der war nix
mehr.
Julian


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