Unterricht unterm Mangobaum
Moses wollte uns etwas zeigen. Alle rein ins Auto und rein
in den Busch. Mpigi, der Ort in dem wir wohnen, wird hier schon immer als ‚ländlich‘
bezeichnet, doch wo wir diesmal hinfuhren, war das absolute Hinterland. Knappe
20 Minuten Buckel-Ruckel-Rutsch-Berg-Pisten-Fahrt später kamen wir an. An einer
Schule. Ohne Schulgebäude. Die Schüler sitzen unter Mango Bäumen und diese
markieren die ‚Klassenräume‘. Nur ein großes Gebäude ist in Sicht: Natürlich
eine Kirche. Wir stiegen aus dem Auto und wurden direkt entdeckt. Daran, dass
man uns anstarrt und „Muzuuungu“ von allen Seiten gerufen wird, haben wir uns
gewöhnt, aber diese Blicke waren anders. Verschüchtert, zurückhaltend und doch
sehr neugierig. Auch die Verantwortlichen schienen es kaum glauben zu können.
Weiße bei ihnen in der Schule?! Wir wurden herzlichst begrüßt und vom
Schulleiter und Co-Gründer der Good Foundation, die die Schule betreibt,
herumgeführt. Oder sollte ich sagen: Auf den Präsentierteller gesetzt? Er nahm
uns mit zu jeder Klasse, stellte uns vor die Schüler und forderte diese auf die
Gäste zu begrüßen. Ganz unbehaglich standen wir da und haben immer lieb ‚Hallo‘
gesagt, aber die Schüler trauten sich kaum den Mund zu öffnen. Währenddessen
war in der Kirche ein großes Fest. Wir nahmen kurz am Gottesdienst teil und
aßen traditionell afrikanisch mit den Händen. Irgendwann wurde es Anne und mir
aber zu lange und wir wollten noch einmal rausgehen und den Kontakt zu den
Schülern suchen.
Die Schule war mittlerweile vorbei und die Kinder nahmen wahr,
und auch die Kinder bemerkten, dass wir da waren. Man kam näher, aber nicht zu nah, was dazu führte das
irgendwann Anne und ich auf der einen Seite standen und mit gut fünf Metern
Abstand ein Pulk aus Schülerinnen und Schülern die uns anguckten, kicherten und
miteinander flüsterten. Da habe ich die Initiative ergriffen und mich einfach
mal mitten in die schwarze Gruppe gestellt. Ich habe nichts gesagt. Einfach
fünf große Schritte nach vorne und mitten rein in die Meute. Erst wollten sie
mir Platz machen, dann haben sie es verstanden. Anne kam dazu und dann ging es
richtig los: Wir fanden heraus, dass fast alle Schüler dort noch nie einen Weißen
vor sich hatten. Noch nie im
Leben! Anne in ihrem Element: „Do you want to touch my hair? It’s very
different from yours!” Ich natürlich mitgemacht und auf einmal rieben gefühlt 20
Hände über unsere Köpfe. Schrilles Lachen, Freudenschreie, Aufregung. Es war
richtig laut! Ich glaube diese Kids hatten richtig Spaß mit uns. Natürlich
haben wir auch noch ein paar andere Unterschiede zwischen uns und ihnen und mein
Tattoo gezeigt (ist hier immer der Renner!). Noch etwas von Deutschland
erzählt, diesem Wunderland, dessen Reichtum sich hier wohl keiner richtig
vorstellen kann, obwohl wir schon bewusst immer untertreiben und dann mussten
die Schüler leider den Heimweg antreten. Was für ein Tag für uns und für die
Kinder, die unter Mangobäumen lernen.
Julian
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen