Krankenhausbesuch, der äähh….. 4.
Es war ein recht kühler Tag, sodass ein T-Shirt nicht
wirklich warm genug halten konnte. Da uns beiden an dem Tag die Kraft fehlte
und Julian schlecht geschlafen hatte die Nacht, wollten wir uns ein bisschen
ausruhen. Ich hab auf der Bank (3 zusammen genagelte und blau angestrichene
Bretter) gesessen und es hat nicht lang gedauert, da ist Julian, eingemümmelt
in seinen Pulli, mit dem Kopf auf meinem Schoß eingeschlafen. Kurz später hab
ich ihn ins Auto verfrachtet. Mittlerweile war die Sonne wieder da und es wurde
zu warm für mich im Auto. Nach einer Stunde, in der Julian noch schlafen wollte,
bin ich wieder zu ihm. Es war heiß wie in einer Sauna im Auto. Dementsprechend
glitzerten auch die Schweißperlen auf Julians Stirn, doch er fror immer noch.
Oh nein! Fieber! Fieber ist ja nichts schlimmes, aber hier
in Uganda ist das ein Symptom für Malaria. Malaria wird von weiblichen
Stechmücken übertragen. Wenn sie zuvor jemanden/etwas infizierten gestochen
haben (auch noch 3 Wochen nach Genesung), und man dann gestochen wird, stehen
die Chancen ziemlich gut, einen positiven Malaria Test zu bekommen. Es gibt
verschiedene Sorten Malaria. Die eine ist wie Herpes und kommt immer wieder,
die andere, die es hier in Uganda gibt, kann bei falscher Behandlung töten.
Also ab ins Krankenhaus unseres Vertrauens in Mpigi.
Kleiner Exkurs: Man geht hier nicht zum Arzt, wie wir das zu
Hause kennen, sondern immer in ein privates Krankenhaus (staatliche
Einrichtungen kann man hier vergessen). Im Krankenhaus „Double Cure“ arbeiten
ca. 15 Ärzte und Arzthelferinnen. Alles ist sehr überschaubar. Das Gelände ist
ca. so groß wie das meiner Grundschule: Es gibt 3 Parkplätze (einer davon geht
an den Krankenwagen), 3 Behandlungsräume, einen „OP-Raum“ und ein Labor.
Diejenigen die stationär behandelt werden, können in dem einen Einzelzimmer,
dem einen Doppelzimmer oder dem Raum mit den 4 Betten unter kommen. Das
Krankenhaus deckt an Leistungen ziemlich viel ab: von Zahn- und Augenarzt, über
kleine OPs und Familien-/Aidsberatung bis hin zur Gynäkologie ist alles da.
Das Krankenhaus ist sauber und alles was benutzt wird ist
steril. Aber dennoch ist es lange nicht zu vergleichen mit einem westlichen
Krankenhaus. Trotzdem haben wir uns wegen der kompetenten und freundlichen
Angestellten durchaus wohl und sicher gefühlt.
Leider leider waren wir schon öfters dort (man glaubt nicht,
was man sich hier als Europäer immer für Kleinigkeiten-Krankheiten einfangen
kann) und ca. 60% des Personals kannte mich schon mit Namen. Wir wurden
folglich herzlich begrüßt und Julian kam sofort an die Reihe.
Nach der Bestätigung, dass Julian Fieber hatte und einigen
Tests wurden wir etwas überrumpelt mit. „You are very very sick!“. Wir habens
zuerst gar nicht verstanden. Dann wurde uns erklärt, dass Julian 10 Malaria
hatte (keine Ahnung, wieso man das so zählt, aber man kann auch mit 3 Malaria
ins Krankenhaus und mit 22 ist man nicht mehr fähig, allein zu stehen).
Er bekam Infusionen sowie Medikamente (vor allem Paracetamol
um das Fieber zu senken) und musste haufenweise Softdrinks zu sich nehmen-
Hauptsache viiiiel Zucker! Auch sollte Julian über Nacht dort bleiben, damit
sie auf Veränderungen reagieren können. Malaria kommt nämlich in Fieberschüben.
Zwischen diesen Attacken fühlt man sich ganz gut, ist nur etwas schwach. Aber
man könnte meinen, gesund zu sein.
Ich bin also nach Hause, um seine Sachen für den
Krankenhausaufenthalt zu packen. Nach dem Abendessen, das Kirabo und Moses uns
gebracht hatten (Essen und Trinken gibt’s da nicht im Krankenhaus, das muss man
selbst besorgen), bin ich wieder mit nach Hause um dort zu übernachten. Das war
sehr ungewöhnlich für Uganda. Die folgenden 2 Nächte bin ich dann ganz
ugandisch über Nacht bei ihm geblieben.
Da es Julian die meiste Zeit sehr gut ging (also ja, er war
krank, aber zwischen den Fieberschüben durchaus zu gebrauchen), haben wir
gelesen, Filme geschaut (naja, über 30
Stunden während unseres 4 Tages Ausfluges ins Krankenhaus ist der Strom
ausgefallen), mit den Angestellten herumgeblödelt und Karten gespielt. Gegessen
hat Julian auch, wenn auch etwas weniger.
Die frühen Abende und die Nächte waren wohl am Schlimmsten,
weil dann das Fieber immer schlagartig kam. Doch man kümmerte sich sehr gut um
ihn. Ein Paradebeispiel: Der Arzt, der Nachtdienst hatte (Faiso, ein ganz
lieber mit einem lustigen Sprachtick), hat gegen Mitternacht über eine Stunde
damit verbracht Julian mit einem nassen Tuch zu kühlen.
Nach der ersten Nacht konnte Malaria um 4 reduziert werden
und Julian hatte „nur“ noch 6 Malaria. Immer noch nicht gut. Nach der zweiten
Nacht wollte man ihn noch weiter beobachten und Julian wurde nach der dritten
Nacht entlassen.
Nach insgesamt 6 Tagen/5 Nächten war Julian wieder fit und
hatte Malaria aus seinem Körper vertrieben. Es hätte alles schlimm sein können,
aber Dank Julians starken Immunsystems und der guten und frühzeitigen
Behandlung war alles nicht so schlimm. Ja okay, Fieberschübe sind uncool, aber
immerhin sind ihm Krämpfe, Gliederschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen,
Sehstörungen und Co erspart geblieben. War halt wie zu starkes Fieber….
Auf jeden Fall ist jetzt alles wieder gut und meine
Malaria-Tests waren negativ. Julian ist jetzt nicht mehr „ansteckend“ und
wieder so was von einsatzfähig!
Freut euch auf die Stories aus Jinja!
…Übrigens kennt jetzt jeder Angestellte (von Arzt bis
Manager) unsere Namen.
Anne
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