Donnerstag, 4. Dezember 2014

Malaria

Krankenhausbesuch, der äähh….. 4.

Es war ein recht kühler Tag, sodass ein T-Shirt nicht wirklich warm genug halten konnte. Da uns beiden an dem Tag die Kraft fehlte und Julian schlecht geschlafen hatte die Nacht, wollten wir uns ein bisschen ausruhen. Ich hab auf der Bank (3 zusammen genagelte und blau angestrichene Bretter) gesessen und es hat nicht lang gedauert, da ist Julian, eingemümmelt in seinen Pulli, mit dem Kopf auf meinem Schoß eingeschlafen. Kurz später hab ich ihn ins Auto verfrachtet. Mittlerweile war die Sonne wieder da und es wurde zu warm für mich im Auto. Nach einer Stunde, in der Julian noch schlafen wollte, bin ich wieder zu ihm. Es war heiß wie in einer Sauna im Auto. Dementsprechend glitzerten auch die Schweißperlen auf Julians Stirn, doch er fror immer noch.
Oh nein! Fieber! Fieber ist ja nichts schlimmes, aber hier in Uganda ist das ein Symptom für Malaria. Malaria wird von weiblichen Stechmücken übertragen. Wenn sie zuvor jemanden/etwas infizierten gestochen haben (auch noch 3 Wochen nach Genesung), und man dann gestochen wird, stehen die Chancen ziemlich gut, einen positiven Malaria Test zu bekommen. Es gibt verschiedene Sorten Malaria. Die eine ist wie Herpes und kommt immer wieder, die andere, die es hier in Uganda gibt, kann bei falscher Behandlung töten.

Also ab ins Krankenhaus unseres Vertrauens in Mpigi.
Kleiner Exkurs: Man geht hier nicht zum Arzt, wie wir das zu Hause kennen, sondern immer in ein privates Krankenhaus (staatliche Einrichtungen kann man hier vergessen). Im Krankenhaus „Double Cure“ arbeiten ca. 15 Ärzte und Arzthelferinnen. Alles ist sehr überschaubar. Das Gelände ist ca. so groß wie das meiner Grundschule: Es gibt 3 Parkplätze (einer davon geht an den Krankenwagen), 3 Behandlungsräume, einen „OP-Raum“ und ein Labor. Diejenigen die stationär behandelt werden, können in dem einen Einzelzimmer, dem einen Doppelzimmer oder dem Raum mit den 4 Betten unter kommen. Das Krankenhaus deckt an Leistungen ziemlich viel ab: von Zahn- und Augenarzt, über kleine OPs und Familien-/Aidsberatung bis hin zur Gynäkologie ist alles da.
Das Krankenhaus ist sauber und alles was benutzt wird ist steril. Aber dennoch ist es lange nicht zu vergleichen mit einem westlichen Krankenhaus. Trotzdem haben wir uns wegen der kompetenten und freundlichen Angestellten durchaus wohl und sicher gefühlt.

Leider leider waren wir schon öfters dort (man glaubt nicht, was man sich hier als Europäer immer für Kleinigkeiten-Krankheiten einfangen kann) und ca. 60% des Personals kannte mich schon mit Namen. Wir wurden folglich herzlich begrüßt und Julian kam sofort an die Reihe.
Nach der Bestätigung, dass Julian Fieber hatte und einigen Tests wurden wir etwas überrumpelt mit. „You are very very sick!“. Wir habens zuerst gar nicht verstanden. Dann wurde uns erklärt, dass Julian 10 Malaria hatte (keine Ahnung, wieso man das so zählt, aber man kann auch mit 3 Malaria ins Krankenhaus und mit 22 ist man nicht mehr fähig, allein zu stehen).
Er bekam Infusionen sowie Medikamente (vor allem Paracetamol um das Fieber zu senken) und musste haufenweise Softdrinks zu sich nehmen- Hauptsache viiiiel Zucker! Auch sollte Julian über Nacht dort bleiben, damit sie auf Veränderungen reagieren können. Malaria kommt nämlich in Fieberschüben. Zwischen diesen Attacken fühlt man sich ganz gut, ist nur etwas schwach. Aber man könnte meinen, gesund zu sein.
Ich bin also nach Hause, um seine Sachen für den Krankenhausaufenthalt zu packen. Nach dem Abendessen, das Kirabo und Moses uns gebracht hatten (Essen und Trinken gibt’s da nicht im Krankenhaus, das muss man selbst besorgen), bin ich wieder mit nach Hause um dort zu übernachten. Das war sehr ungewöhnlich für Uganda. Die folgenden 2 Nächte bin ich dann ganz ugandisch über Nacht bei ihm geblieben.

Da es Julian die meiste Zeit sehr gut ging (also ja, er war krank, aber zwischen den Fieberschüben durchaus zu gebrauchen), haben wir gelesen,  Filme geschaut (naja, über 30 Stunden während unseres 4 Tages Ausfluges ins Krankenhaus ist der Strom ausgefallen), mit den Angestellten herumgeblödelt und Karten gespielt. Gegessen hat Julian auch, wenn auch etwas weniger.
Die frühen Abende und die Nächte waren wohl am Schlimmsten, weil dann das Fieber immer schlagartig kam. Doch man kümmerte sich sehr gut um ihn. Ein Paradebeispiel: Der Arzt, der Nachtdienst hatte (Faiso, ein ganz lieber mit einem lustigen Sprachtick), hat gegen Mitternacht über eine Stunde damit verbracht Julian mit einem nassen Tuch zu kühlen.
Nach der ersten Nacht konnte Malaria um 4 reduziert werden und Julian hatte „nur“ noch 6 Malaria. Immer noch nicht gut. Nach der zweiten Nacht wollte man ihn noch weiter beobachten und Julian wurde nach der dritten Nacht entlassen.

Nach insgesamt 6 Tagen/5 Nächten war Julian wieder fit und hatte Malaria aus seinem Körper vertrieben. Es hätte alles schlimm sein können, aber Dank Julians starken Immunsystems und der guten und frühzeitigen Behandlung war alles nicht so schlimm. Ja okay, Fieberschübe sind uncool, aber immerhin sind ihm Krämpfe, Gliederschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Co erspart geblieben. War halt wie zu starkes Fieber….
Auf jeden Fall ist jetzt alles wieder gut und meine Malaria-Tests waren negativ. Julian ist jetzt nicht mehr „ansteckend“ und wieder so was von einsatzfähig!
Freut euch auf die Stories aus Jinja!

…Übrigens kennt jetzt jeder Angestellte (von Arzt bis Manager) unsere Namen.



Anne

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