Sonntag, 31. August 2014

Sport in Mpigi

Von Joggen und Fußball

Wie deprimierend. Ich hatte mich so aufs Laufen gefreut (alleine soll ich nicht gehen). Dann wurde es aber doch so spät und die Idee mit den Jungs zum Fußballfeld zu laufen, wo sie Training haben, wurde auch verworfen, da wir zu einen anderen Feld gingen als dem das wir kannten, keine zehn Gehminuten vom Haus. Doof! Ich bin halt mitgedackelt, schließlich hatte ich mich ja schon umgezogen und alles. Von der Straße aus konnte man das Fußballfeld schon von weitem sehn. Es war eine riesige größtenteils mit Gras bewachsene Fläche aus der vier dicke Äste ragten, die man als Tore in den Boden gerammt hatte. Zwischen dem Alter von 3 bis gute 20 war alles vertreten. Da waren Kinder mit Fußballschuhen und Trikot, aber auch Kinder mit kaputten Flip Flops und nur mit T-Shirt bekleidet, dass einem erwachsenen besser passen würde und den Kindern über die Knie hing. Die Wiese war groß genug, dass es für mich Sinn machte meine Runden ums Feld zu ziehen. Das alle einem hinterherschauen, daran hat man sich… naja fast… gewöhnt. Ich bin also immer wieder lächelnd, grüßend und winkend gelaufen. Es hat ca. 5 Minuten gedauert bis die erste Scheu überwunden, und der Mut gesammelt wurde, ab dann lief ich nicht mehr alleine. Immer wieder sind Kinder zu mir gestoßen, forderten mich zu einem Wettrennen heraus und machten eine Runde Pause. Es war herrlich. Zwischendurch sind wir zu 7 gelaufen. In meiner letzten Runde hab ich sie alle nochmal motivierend eingesammelt. Kurz vor Schluss blieb ich nochmal stehen und hab erklärt, dass wir jetzt ein Wettrennen machen. Alle zusammen. Auf los gings brüllend, schreiend und lachend los. Zuerst bin ich im Pulk mitgelaufen und hab angefeuert; aber dann konnte ich es doch nicht lassen und hab das Tempo angezogen bis ich dann als Erste im Ziel war xD ….musste einfach sein.
Ich dachte ich geb einfach allen ein High Five und dann spielen sie weiter. Falsch gedacht. Die Kinderaugen schauten mich nur weiter an und warteten darauf, was ich als nächstes machen würde. Okay. Also wird gedehnt und gekräftigt. Vieles kannten sie nicht, aber die Kleinen haben ganz genau hingeschaut und mir nachgeeifert (sogar als ich hüpfen musste, um beim Einbeinstand das Gleichgewicht nicht zu verlieren…). Es wurde viel gegiggelt und gekichert. Nach und nach kamen immer mehr Kinder, bis ich schließlich von 16 Kindern umgeben war. Man fragte mich aus und natürlich kam auch die Standard-Bitte: Singst du was für uns? Sing was! Sing was!
Ooooohhh, das muss ich noch üben!

…..

„Julian will you come play football with us?” Seit vier Tagen fragen mich Moses Neffen (drei Jungs im Alter von 13-16), ob ich mit Ihnen Fußball spielen gehe. Als sie gestern meine Fußballschuhe entdeckten, gab es helle Begeisterung. Die letzten Tage hat uns entweder das Wetter oder die Arbeit einen Strich durch die Rechnung gemacht – heute hat es endlich geklappt. Auf dem Weg zum Feld schon das erste tolle Erlebnis: Eine Gruppe junger Männer (vielleicht Ende 20) hatte uns entdeckt und alle riefen „Muzungu Muzungu!“ … diesmal war ich vorbereitet. Von Andrew und Leo (Leo ist Annes Freund, der damals den Kontakt mit Moses hergestellt hat) habe ich als Antwort: „Oli otya?“ = Wie geht es dir? gelernt. Ich also den Männern lässig in Luganda geantwortet und plötzlich waren alle aus dem Häuschen. Schreien, Lachen, Begeisterung. Eine Gruppe Kinder die etwas weiter vorne auf der Straße war hörte mein Luganda, rannte auf uns zu, „Muzungu! Muzuuuuuuungu!!!“ und wir waren umringt von ca. 15 lachenden Kindern. So etwas kann einem nur hier passieren.
Am Feld angekommen ging’s dann los. Anne hat das Feld ja schon sehr treffend beschrieben. Man musste wohl mindestens 13 sein um mitspielen zu dürfen und es gab nur einen Weißen – mich. Naja was soll’s, ich habe mein Team sehr freundlich begrüßt und dann ging es auch nach diversen Rufen, die ich alle nicht verstand, einfach los. Das Gegner Team steckte die Shirts in die Hosen, wir ließen die Shirts draußen. Überdeutliche Trikots würde man hier wohl sagen. Viele hatten Fußballschuhe, wenige trugen Straßenschuhe und einige spielten barfuß. Auf schlammigem Rasen mit viele Löchern, Hügeln, was auch immer, alles kein Problem. Hauptsache Fußball. Dadurch, dass die drei Jungs (Moses Neffen) alle in meinem Team waren, war ich schnell akzeptiert. Der Teamcaptain war etwas älter als ich und lernte sofort meinen Namen damit er mir Anweisungen geben konnte, er spielte die 10er Position, ich so eine Art falsche 9. Bin schließlich Deutscher, also Weltmeister, also kann ich das. Das Spiel hat richtig viel Spaß gemacht, Sprintduelle waren oft eine Herausforderung, zu meinem Glück bin ich ja recht schnell. Diverse Male bin ich ausgerutscht, gestolpert oder umgefallen – alles ganz normal. Und dann kam er: Mein Moment. Ich kann ja echt nicht so geil Fußball spielen, aber was ich nunmal kann ist hoch springen und Köpfen. Danke Handball. Ich hole also im Zweikampf eine Ecke für mein Team raus und sage unserem Captain, dass er die Ecke auf mich bringen soll. Er versteht, nickt mir zu, als ich ihm den Ball in die Hand drücke. Die Ecke kommt gut, ich steige höher als alle anderen, Kopfball gegen den Innenpfosten und rein. Alle staunen, der Captain rennt zu mir und umarmt mich – es war richtig geil. Die Jungs erzählten mir den kompletten Heimweg „you scored such a beautiful goal. It was really beautiful. You jump higher than anybody.“

Mann, ich fange noch an Fußball zu mögen.

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