Montag, 25. August 2014

Ankunft bei Kalanzis

...wenn auch nur mit halbem Gepäck

Die Dame, die sich so lautstark wegen eines vermissten Gegenstands aufgeregt hat, sollte noch mehr Pech haben. Ähnlich wie uns erging es ihr nämlich, als sie am Gepäckband stand und wartete. Denn irgendwann ertönte hinter uns eine Stimme: „From Dubai? There’s no more luggage from there. Please fill in a report.“ Wir wurden auch nur mit 2 unserer 4 Gepäckstücke versorgt. Während Julian mit einem ausgefüllten Zettel versuchte die Aufmerksamkeit eines Sachbearbeiters zu erobern, der von zehn Seiten von anderen Afrikanern angeschrien wurde, und schöne Frauen bzw. dreiste Drängler bevorzugte, verließ ich den winzigen Flughafen um Moses und Kirabo Bescheid zu geben, dass es wohl noch etwas dauern würde. Und es gab wieder eine Enttäuschung. Auf keinem Schild standen unsere Namen und kein bekanntes Gesicht grinste mich an. Und an die gefühlten tausend Fahrer, die sich angeboten haben: NEIN, ich brauche kein Taxi. Thank you! Irgendwas ging schief- Kirabo und Moses dachten, wir würden nachts landen. Glücklicherweise hat mich ein Taxifahrer (ich wusste zunächst nicht was er war, nur, dass er eine Lizenz für seine Tätigkeit besaß) mit einem Handy angesprochen. Über ihn konnten wir Moses erreichen. Moses war sehr aufgebracht, hat sich hundert Mal entschuldigt, dass er nicht da war. Nach dem vierten Telefonat hat er mit dem Taxifahrer abgemacht, dass er uns nach Mpigi bringen sollte. Also rein ins Taxi, Richtung Kampala. Es ging über geteerte Straßen und staubige Braschenwege mit Schlaglöchern bei denen sich jedem Deutschen die Nackenhaare aufstellen. Die Straße hat eigene Regeln. Aber die Ugander scheinen sie zu kennen. Zumindest die meisten.

Todmüde kamen wir an und wurden herzlichst begrüßt. Von allen: Neben der dreiköpfigen Familie Kalanzi waren auch noch fünf Neffen im Haus (3 ZKB inklusive Glasfenstern und damit komfortabler, als das Meiste hier). Die Taschen haben wir nicht mehr ausgepackt, sind eigentlich nur noch ins Bett gefallen.
Ich weiß ja, dass Afrikaner eher zu den bequemeren Menschen gehören, die alles etwas langsamer tun. Doch da wird selbst der geduldigste Mensch (wie ich) auf die Probe gestellt. Nach dem erfreulichen Anruf, dass das Gepäck wieder aufgetaucht war planten wir mit Moses, dass er uns am nächsten Tag zum Flughafen fährt. Also wieder 2h Fahrt über die Staubpisten und vollen Straßen um zum Flughafen zurückzukommen.

Kurz vorm Flughafen der nächste Spannungsmoment. Umfangreiche Polizeikontrolle. Alle mussten aus dem Auto aussteigen, durch eine Sicherheitsschleuse und sich von grimmig guckenden Polizisten filzen lassen. Zu allem Überfluss hatten wir meinen Pass nicht dabei und Julian befürchtete schon das Schlimmste (kleiner Panikmacher). Keiner der Polizisten fragte nach unseren Personalien, so dass wir mit der Lektion davon kamen, ab jetzt die Pässe dabei zu haben, wenn wir außerhalb von Mpigi unterwegs sind.
Nach sehr sehr viel hin und her hatten wir dann nach zwei Tagen und vier zusätzlichen Stunden am Flughafen unser verlorenes Gepäck wieder. Jetzt war dann doch alles so wie es sein sollte. Als Highlight und Abschluss des Tages gingen wir am Victoriasee essen. Und jetzt kommts:

Ich hab Fisch gegessen! Der lag als Ganzes auf dem Teller und hat mich mehr oder weniger freundlich angeschaut. Und was die Krönung ist: Er hat mir sogar geschmeckt.
Ha! Da wird noch jemand zum Fischliebhaber… oder so was Ähnlichem. Nun kann ich auch ganz offiziell sagen: Man kann mich zum Angeln mitnehmen und wahrscheinlich werde ich den gefangenen Fisch sogar genießen. 


Anne

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