...wenn auch nur mit halbem Gepäck
Die Dame, die sich so lautstark wegen eines vermissten
Gegenstands aufgeregt hat, sollte noch mehr Pech haben. Ähnlich wie uns erging
es ihr nämlich, als sie am Gepäckband stand und wartete. Denn irgendwann
ertönte hinter uns eine Stimme: „From Dubai? There’s no more luggage from
there. Please fill in a report.“ Wir wurden auch nur mit 2 unserer 4
Gepäckstücke versorgt. Während Julian mit einem ausgefüllten Zettel versuchte
die Aufmerksamkeit eines Sachbearbeiters zu erobern, der von zehn Seiten von anderen
Afrikanern angeschrien wurde, und schöne Frauen bzw. dreiste Drängler
bevorzugte, verließ ich den winzigen Flughafen um Moses und Kirabo Bescheid zu
geben, dass es wohl noch etwas dauern würde. Und es gab wieder eine
Enttäuschung. Auf keinem Schild standen unsere Namen und kein bekanntes Gesicht
grinste mich an. Und an die gefühlten tausend Fahrer, die sich angeboten haben:
NEIN, ich brauche kein Taxi. Thank you! Irgendwas ging schief- Kirabo und Moses
dachten, wir würden nachts landen. Glücklicherweise hat mich ein Taxifahrer
(ich wusste zunächst nicht was er war, nur, dass er eine Lizenz für seine
Tätigkeit besaß) mit einem Handy angesprochen. Über ihn konnten wir Moses
erreichen. Moses war sehr aufgebracht, hat sich hundert Mal entschuldigt, dass
er nicht da war. Nach dem vierten Telefonat hat er mit dem Taxifahrer
abgemacht, dass er uns nach Mpigi bringen sollte. Also rein ins Taxi, Richtung
Kampala. Es ging über geteerte Straßen und staubige Braschenwege mit Schlaglöchern
bei denen sich jedem Deutschen die Nackenhaare aufstellen. Die Straße hat
eigene Regeln. Aber die Ugander scheinen sie zu kennen. Zumindest die meisten.
Anne
Todmüde kamen wir an und wurden herzlichst begrüßt. Von
allen: Neben der dreiköpfigen Familie Kalanzi waren auch noch fünf Neffen im
Haus (3 ZKB inklusive Glasfenstern und damit komfortabler, als das Meiste hier).
Die Taschen haben wir nicht mehr ausgepackt, sind eigentlich nur noch ins Bett
gefallen.
Ich weiß ja, dass Afrikaner eher zu den bequemeren Menschen
gehören, die alles etwas langsamer tun. Doch da wird selbst der geduldigste
Mensch (wie ich) auf die Probe gestellt. Nach dem erfreulichen Anruf, dass das
Gepäck wieder aufgetaucht war planten wir mit Moses, dass er uns am nächsten
Tag zum Flughafen fährt. Also wieder 2h Fahrt über die Staubpisten und vollen
Straßen um zum Flughafen zurückzukommen.
Kurz vorm Flughafen der nächste Spannungsmoment.
Umfangreiche Polizeikontrolle. Alle mussten aus dem Auto aussteigen, durch eine
Sicherheitsschleuse und sich von grimmig guckenden Polizisten filzen lassen. Zu
allem Überfluss hatten wir meinen Pass nicht dabei und Julian befürchtete schon
das Schlimmste (kleiner Panikmacher). Keiner der Polizisten fragte nach unseren
Personalien, so dass wir mit der Lektion davon kamen, ab jetzt die Pässe dabei
zu haben, wenn wir außerhalb von Mpigi unterwegs sind.
Nach sehr sehr viel hin und her hatten wir dann nach zwei
Tagen und vier zusätzlichen Stunden am Flughafen unser verlorenes Gepäck wieder.
Jetzt war dann doch alles so wie es sein sollte. Als Highlight und Abschluss
des Tages gingen wir am Victoriasee essen. Und jetzt kommts:
Ich hab Fisch gegessen! Der lag als Ganzes auf dem Teller
und hat mich mehr oder weniger freundlich angeschaut. Und was die Krönung ist:
Er hat mir sogar geschmeckt.
Ha! Da wird noch jemand zum Fischliebhaber… oder so was Ähnlichem. Nun kann ich
auch ganz offiziell sagen: Man kann mich zum Angeln mitnehmen und wahrscheinlich
werde ich den gefangenen Fisch sogar genießen. Anne

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