Freitag, 26. September 2014

Wir bauen...

Zwei neue Klassenräume

Die Schule ist mittlerweile so richtig gestartet und tatsächlich kommen auch immer noch neue Anmeldungen für dieses ‚Halbjahr‘. Das ist beeindruckend!
Insgesamt hat Abato acht Klassen: 3 Klassen in der Preschool (Vorschule): Baby Class, Middle Class, Top Class und 5 Klassen in der Primary School (Grundschule): P1 bis P5. Die Kleinsten sind 3 Jahre alt, die ältesten 13.
Die Klassenstärke ist sehr unterschiedlich. Besonders die Klassen der Primary School bieten optimale Lernverhältnisse mit durchschnittlich 12 Kids in einer Klasse. Im Gegensatz dazu ist die Preschool etwas überlaufen. In Babyclass sitzen aktuell über 50 Kleinkinder, die spielend lernen. Es ist immer herrlich, wenn man sie vom Schulhof aus laut gemeinsam singen hört, wie sie durch den Klassenraum hüpfen und in die Hände klatschen. So fröhlich sie auch (fast) immer zu sein scheinen, Platz ist definitiv nicht genug da.



Mit den Spenden, aus unseren Spardosen, die wir bei Mama in der Praxis und in der Florstädter Metzgerei Walther aufgestellt hatten, konnten wir ein neuen Projekt starten: Zwei neue Klassenräume sollen her! Wir haben einen Plan gemacht, die Kosten kalkuliert und waren einkaufen.

Der afrikanische Baumarkt ist etwas anders. Es gibt quasi für alles einen eigenen Laden. Eine schmale Tür oder ein breites Fenster führen in den Verkaufsraum, der ca. so groß ist wie Papas größte Garage. Gabelstapler gibt’s nicht. Hier wird alles auf dem Kopf getragen und aufs Auto geladen. Quasi ungesichert geht’s dann ab auf den Heimweg, immer hoffend, dass man die Ladung beim nächsten Schlagloch nicht verliert.

Im Dunkeln wurden die Sachen abgeladen und am nächsten Morgen ging es los. Zwei Maurer, unser Nachtwächterhausmeisterordnungshalter und wir drei Deutschen gingen an die Arbeit. Aus selbstgemachten Steinen haben wir angefangen die Mauer hochzuziehen. Anfangs waren die Maurer noch etwas skeptisch, waren eher ruhig. Mittlerweile sind sie aber aufgetaut, kommen uns entgegen, zeigen uns wie wir Sachen besser machen können, schmunzeln und überlassen uns sogar die ein oder andere wichtige Aufgabe.

Highlight war, dass wir um die vielen Backsteine zur Baustelle zu transportieren eine Reihe mit (gezählten) 59 Kindern gebildet haben und Stein um Stein weitergegeben haben.


Die Arbeit macht wirklich Spaß und es ist ein großartiges Gefühl am Ende des Tages einen Blick auf den Fortschritt zu werfen und zu sehen, wie das neue Gebäude wächst. Profi-Maurer sind wir jetzt, aber so ein Gebäude braucht auch ein Dach und das wird nochmal eine ganz eigene Herausforderung. Trotzdem, wenn das Gebäude erstmal steht werden die Kids total happy sein und es ist eine Erinnerung an Julian&Anne in Uganda.




Um die Klassenräume komplett fertig zu stellen, fehlen uns noch einige Materialien. Wir haben einen Fundraiser (Spendenaufruf) gestartet, um hoffentlich mit neuen Spendengeldern alles Notwendige ganz bald auftreiben zu können.

Anne

Montag, 22. September 2014

Good Foundation School

Unterricht unterm Mangobaum

Moses wollte uns etwas zeigen. Alle rein ins Auto und rein in den Busch. Mpigi, der Ort in dem wir wohnen, wird hier schon immer als ‚ländlich‘ bezeichnet, doch wo wir diesmal hinfuhren, war das absolute Hinterland. Knappe 20 Minuten Buckel-Ruckel-Rutsch-Berg-Pisten-Fahrt später kamen wir an. An einer Schule. Ohne Schulgebäude. Die Schüler sitzen unter Mango Bäumen und diese markieren die ‚Klassenräume‘. Nur ein großes Gebäude ist in Sicht: Natürlich eine Kirche. Wir stiegen aus dem Auto und wurden direkt entdeckt. Daran, dass man uns anstarrt und „Muzuuungu“ von allen Seiten gerufen wird, haben wir uns gewöhnt, aber diese Blicke waren anders. Verschüchtert, zurückhaltend und doch sehr neugierig. Auch die Verantwortlichen schienen es kaum glauben zu können. Weiße bei ihnen in der Schule?! Wir wurden herzlichst begrüßt und vom Schulleiter und Co-Gründer der Good Foundation, die die Schule betreibt, herumgeführt. Oder sollte ich sagen: Auf den Präsentierteller gesetzt? Er nahm uns mit zu jeder Klasse, stellte uns vor die Schüler und forderte diese auf die Gäste zu begrüßen. Ganz unbehaglich standen wir da und haben immer lieb ‚Hallo‘ gesagt, aber die Schüler trauten sich kaum den Mund zu öffnen. Währenddessen war in der Kirche ein großes Fest. Wir nahmen kurz am Gottesdienst teil und aßen traditionell afrikanisch mit den Händen. Irgendwann wurde es Anne und mir aber zu lange und wir wollten noch einmal rausgehen und den Kontakt zu den Schülern suchen. 

Die Schule war mittlerweile vorbei und die Kinder nahmen wahr, und auch die Kinder bemerkten, dass wir da waren. Man kam näher, aber nicht zu nah, was dazu führte das irgendwann Anne und ich auf der einen Seite standen und mit gut fünf Metern Abstand ein Pulk aus Schülerinnen und Schülern die uns anguckten, kicherten und miteinander flüsterten. Da habe ich die Initiative ergriffen und mich einfach mal mitten in die schwarze Gruppe gestellt. Ich habe nichts gesagt. Einfach fünf große Schritte nach vorne und mitten rein in die Meute. Erst wollten sie mir Platz machen, dann haben sie es verstanden. Anne kam dazu und dann ging es richtig los: Wir fanden heraus, dass fast alle Schüler dort noch nie einen Weißen vor sich hatten. Noch nie im Leben! Anne in ihrem Element: „Do you want to touch my hair? It’s very different from yours!” Ich natürlich mitgemacht und auf einmal rieben gefühlt 20 Hände über unsere Köpfe. Schrilles Lachen, Freudenschreie, Aufregung. Es war richtig laut! Ich glaube diese Kids hatten richtig Spaß mit uns. Natürlich haben wir auch noch ein paar andere Unterschiede zwischen uns und ihnen und mein Tattoo gezeigt (ist hier immer der Renner!). Noch etwas von Deutschland erzählt, diesem Wunderland, dessen Reichtum sich hier wohl keiner richtig vorstellen kann, obwohl wir schon bewusst immer untertreiben und dann mussten die Schüler leider den Heimweg antreten. Was für ein Tag für uns und für die Kinder, die unter Mangobäumen lernen.


Julian

Samstag, 13. September 2014

Fußball im Nationalstadion

Uganda vs. Guinea

Über Freunde hatten wir erfahren, dass am Mittwoch ein Spiel der ugandischen Nationalmannschaft in Kampala stattfindet. Auch die eher Fußball verschmähenden Mädels waren sofort dafür, dass wir diese Erfahrung mitnehmen, also ging es ab ins Nelson Mandela Stadium. Moses, selbst ehemaliger Jugendnationalspieler für Uganda hat sich bereit erklärt uns zu fahren und war gleichzeitig zum ersten Mal als Zuschauer in diesem Stadion. Vor dem Stadion haben wir uns mit Andrew getroffen, einem Freund von uns, den wir auch prompt am Eingang wieder verloren haben. Reingehen war nämlich gar nicht mal so einfach: Massenhaft Menschen vor schmalen Durchgängen, die partout nicht aufgehen wollten. Eine viertel Stunde vor Anpfiff standen wir immer noch in einer drängenden Masse, umgeben von Militärpräsenz (das ist hier relativ normal – Maschinengewehre sieht man in Uganda ständig). Fünf Minuten vor Anpfiff standen wir dann in unserem Block, hatten allerdings keine Zeit mehr gehabt nach Andrew zu suchen. Als das Spiel losging war die Stimmung richtig gut, gefühlt waren nur Ugander und einige Touristen in Uganda Shirts im Stadion, so dass das Guinea Team ohne zwölften Mann spielen musste. Als Andrew uns anrief, bin ich mit Christina raus, um ihn zu uns zu holen und noch  an ein obligatorisches Stadionbier zu kommen. Wenn man schon mal Deutscher ist und beim Fußball, dann muss auch die Bierkultur gewahrt werden! Dummerweise hörte ich als ich gerade ein kühles Nile Special in einen Plastikbecher umgefüllt bekam, ohrenbetäubendes Johlen und Kreischen und Jubeln und Ausrasten. Jap – Tor Nummer 1 für Uganda hatte ich verpasst. Zum Glück sollte als ich drin war auch noch Tor 2 folgen und das war richtig sehenswert. Seitlich aus 12m angedreht in den Winkel. Geiles Ding.

Das eigentliche Highlight sollte aber dann in Hälfte Zwei folgen, auch wenn keine Tore mehr fielen. In einer Phase in der Guinea stärker wurde und das ugandische Team gefühlt vor dem ersten Gegentor stand, ging plötzlich das Licht aus. Zack, Dunkel. Ein Lichtmeer aus Handys der Fans erhellte das Stadion und der Sprecher versicherte über die Boxen: „Power will be back in a few minutes, please stay calm.“ Moment … über die Boxen? Über die elektronisch funktionierenden Boxen? Wieso sind die noch aktiv, wenn doch der Strom ausgefallen war? Moses hatte später am Abend die Erklärung für mich: Er glaubt es war ein Trick der Heimmannschaft. Um die Fahrt aus dem Spiel des Gegners zu nehmen, hat man diese Unterbrechung erzwungen und Uganda hat das 2:0 über die Zeit gebracht. Wir haben nur Indizien dafür, aber es klingt plausibel. Das wäre zwar hammerhart, aber passt auch irgendwie gut hier rein. Wie auch immer: Go Cranes! Go Uganda!

Julian

Freitag, 12. September 2014

Keine Windeln

…die sind doch völlig überbewertet, oder?!

Moses und Christina saßen bereits im Van, Moses am Steuer, Christina in der Mitte der Rückbank mit dem kleinen Arthur auf ihrem Schoß. Und dann ist es wieder passiert. Der 7 Monate alte Arthur hat im hoooohen Strahl nach vorne gepinkelt (keine Hose, keine Windel, nur ein Shirt – totaler Standard), hat sogar das Radio getroffen –uuund die Lederjacke von Moses komplett und flächendeckend besprenkelt. Als ich dann auch zum Auto kam, konnte ich mich nicht zurück halten und musste sooo lachen! Eigentlich wollte ich mich zusammen reißen, aber die Stimmung war doch zu gut. Trotzdem haben wir dann, immer noch kichernd, sauber gemacht.
Arthur hielt es für wichtig, noch eine Zugabe zu geben. Tjaja… ich stand diesmal vor ihm und dieses Mal hat mich sein Strahl erreicht. Shirt und Hose waren nass. Ich konnte nicht anders, als nur noch mehr lachen und nicht mehr aufhören. Ich musste mich krümmen vor Gelächter, mein Bauch begann zu schmerzen (danke Muskelkater!) und es trieb mir die Tränen in die Augen. Ein paar Minuten verstrichen bis ich mich wieder beruhigen konnte und es mir gelang mit dem Lachen aufzuhören.

Dinge zum erstem Mal tun: Pinkelstrahl abfangen. Check!

Anne

Dienstag, 9. September 2014

Schulstart

Der ganz normale Wahnsinn

Am 8.9.14 war es soweit. Das dritte Trimester der Abatoschool begann, und wie. Nämlich erstmal typisch ugandisch 90 Minuten später als vorgesehen. Beginnen wir am Anfang. Wir sollten um 7:45 Uhr fertig im Haus auf Moses warten, dieser wollte zuerst die Kinder die nicht in Laufdistanz wohnen zur Schule fahren, dann uns abholen und dann mit uns schnurstracks zur Abatoschool. Moses Ankunft verzögerte sich leider, so dass wir im Endeffekt ca. um 9 Uhr an der Schule waren (um 8 sollte der Unterricht beginnen). Dort angekommen sahen wir das Chaos: Alle Kinder tollten vor der Schule herum nur ganz wenige waren in ihren Klassen. Es waren noch nicht alle Lehrer da und die die da waren, waren mit Unterrichtsvorbereitung oder Klassenraum putzen beschäftigt. Das alles ist typisch für Uganda und Moses ein großer Dorn im Auge. Wir als Deutsche merken hier tatsächlich immer wieder was die guten alten deutschen Tugenden so Wert sind. Und Moses erzählt uns ständig, wie gerne er diese in die ugandische Gesellschaft einführen würde. Nachdem dann eine halbe Stunde lang dies und das gemacht wurde, ging es für die meisten Klassen los. Merkwürdig, dass irgendwie keine Klasse zeitgleich mit einer anderen begann, sondern alle einfach wenn der Lehrer so weit war. In Woche 1 kommen auch noch nicht alle Kinder. Der Grund dafür ist mir persönlich ein Rätsel. Vielleicht sind manche einfach so massiv verspätet, dass sie eine Woche brauchen um zu checken, dass die Schule anfängt? Ich weiß es nicht, ich verstehe es nicht, ich finde es unfassbar, aber es ist halt so.


Da wir noch einiges an Plakatierarbeiten und Organisatorischem zu erledigen hatten gingen wir erstmal nicht mit in die Klassen. Um ca. 12 Uhr war Team Deutschland fertig mit all seinen Aufgaben, also beschlossen wir jeder in eine Klasse zu gehen, den Unterricht, die Lehrer und die Kinder besser kennenzulernen. Christina saß bei Mr. Charles im Unterricht. Der wohl beste Lehrer der Abatoschool hatte seinen komplette Stunde sehr gut vorbereitet und strukturiert, sogar einen Lesson-plan gemacht, was die Kinder wie lernen und was sie nach der Stunde können müssen. Anne war im Matheunterricht bei einer Lehrerin, die sehr seltsam schriftliches Addieren erklärte. Anne hat versucht den Kindern so gut wie möglich zu helfen, mit Steinen zur Visualisierung, aber es ist und bleibt sehr schwer den Kindern hier effektiv etwas beizubringen. Ich kam in eine Klasse deren Lehrerin gerade nicht drin war. Stillarbeit war eigentlich angesagt aber einige Schüler waren bereits fertig mit ihrer Aufgabe. Die Aufgaben waren ungefähr so: „Ergänze den fehlenden Buchstaben im folgenden Wort: Sch_le“, keine große Herausforderung sollte man meinen, doch das Niveau der Schüler war sehr unterschiedlich. Manche hatten alles richtig, andere waren nicht in der Lage korrekt von der Tafel abzuschreiben. Ich half denen, die Hilfe brauchten so gut ich konnte, aber ob sie es am Ende wirklich verstanden haben, bleibt erstmal fraglich.

Sonntag, 7. September 2014

Poster, Poster, Poster

... und noch ein paar Plakate

Es ist üblich, dass man in Uganda die Klassenraumwände mit Informationen zuklebt. So hat man die ‚Tafelbilder‘ immer wieder parat und kann sie so häufig wiederholen, bis die Schüler sie richtig drauf haben.
Moses meinte mal, dass er am liebsten alle Klassen selbst unterrichten würde, wenn er das zeitlich irgendwie hin bekommen könnte. Er ist nämlich kein Fan von der klassischen ugandischen Unterrichtsweise, er ist gegen den einseitigen Frontalunterricht, will, dass Kinder in Gruppenarbeiten selbstständig denken lernen. Soweit es ihm möglich ist, bestimmt Moses aber den Lehrplan. Also wurden zu den Inhalten, die Moses für besonders relevant hält, Plakate gemalt. Gefühlt hunderte. Christina und ich haben vorgezeichnet, Julian hat sich etwas versucht und die Kids haben uns beim Ausmalen geholfen. Hauptsache schön bunt! Unsere Vorschläge und Ideen wurden herzlich entgegen genommen und auch umgesetzt. Vor allem Kirabo war begeistert von unseren Plakaten. Sogar von Julians. Es ist wirklich ein schönes Gefühl, Wissen weiter zu geben und damit (hoffentlich) dafür zu sorgen, dass die Kinder erfolgreicher lernen.












Anne

Verstärkung

Es geht einfach nicht anders!

Sie sind einfach überall und sie ziehen sich magnetisch an. Egal an welchem Fleck der Erde man ist, man wird immer ein „Ei jo!“ oder ein „Kannst du das das bitte mitholen?“ hören. Ahhhhh, ein Saarländer! Wie schön!

Auch in Uganda sollte das natürlich nicht anders sein. Und wie es der Zufall so wollte, sollte man sogar dasselbe Projekt unterstützen und im selben Zimmer übernachten. Christina Herrmann, die mit mir Abi gemacht hat, ist seit Mittwoch in Mpigi. Erst durch Moses hatten wir erfahren, dass die jeweils andere zur selben Zeit Freiwilligenarbeit leisten wird. Es ist richtig schön zu dritt. Wir sind ein gutes Team und die Ideen sprudeln nur so aus uns heraus. Richtig viel freuen wir uns auf morgen, auf den Schulbeginn und vor allem auf die Kids!

Anne

Dienstag, 2. September 2014

auf dem Weg zur Selbstversorgung

Feldarbeit

Um die Kinder in der Abato School und auch die eigene Familie zufeldlässig und kostengünstig mit Lebensmitteln versorgen zu können, hat Moses beschlossen ein Stück einer organischen Farm zu erschließen. Darum heißt es für uns nun Feldarbeit. Etwas einfeldig dachte ich, das kann ja nicht so schwer sein, ein Feld zu bestellen. Falsch gedacht, dass ist eine dieser Arbeiten, die einem schon nach einigen Minuten sehr schwer feld.

Oh sind mir da ein paar Feldsprecher unterlaufen? Okay – genug schlechte Feldwortspiele – auf zum eigentlichen Inhalt:

Wir kamen also an, gefühlt mitten im Busch, und bekamen erklärt, dass wir nun mit unseren Harken ein großes Stück der mit Baumstümpfen, Sträuchern, Kräutern, Termitenhügeln und sonstigem Kram bewachsenen Fläche beackern sollten. Alle zusammen machten wir uns ans Werk. Harke in den Boden hauen, ein kleines Stück Acker freilegen, Harke wieder in den Boden hauen und so weiter. Meine Bewunderung für alle Landwirte und Feldarbeiter stieg von Minute zu Minute. Das war richtig schweißtreibende, harte Arbeit. Witzig war, dass weil wir so viel Erdreich und Kleingetier freilegten plötzlich eine fröhliche Schar Hühner hinter uns auftauchte und ein Festmahl auf dem Acker genoss. Unsere Werkzeuge ließen mit der Zeit leider immer mehr zu Wünschen übrig,  denn die Harken brachen eine nach der anderen von ihrem Stil und wurden ständig ‚repariert‘ = man haut ein Stück Stil mit der Machete ab und hämmert ein kleineres Holzstück in die entstandene Lücke, so dass die Harke für fünf weitere Stiche einsatzbereit ist und dann erneut repariert werden muss – Hurra.

Die Machete dient hier übrigens als Universalwerkzeug, sie wird eingesetzt als Säge, Messer, Schaufel, Harke, Schuhputzmaschine, Armverlängerung, Fluxkompensator und Teilchenbeschleuniger. Mein nächster Patentantrag wird die Schweizer-Taschen-Machete. Damit wird man hier in Uganda reich.


Nach einigen Stunden (genau weiß ich es nicht mehr, wohl so 4-5) hatten wir gut was geschafft und alle waren total müde. Moses beendete den Tag mit der guten Nachricht, dass wir das insgesamt mit einem Hektar Land vorhaben (das heißt ca. ¼ war erledigt). Er denkt in einer Woche sollte das zu schaffen sein. Die Blasen an meinen Händen sagen Danke. Und trotzdem: Wenn wir erstmal Mais, Bohnen und Cassava gepflanzt haben und die Kids davon essen können, werde ich froh und stolz sein, dass wir unseren Beitrag dazu geleistet haben.

Julian

Montag, 1. September 2014

Barbershop

Ne Frisur bei weißen Männern? Kann ich nicht!

-Julian: Wieviel kostet der Frisör?
-Eria: 2000 oder 3000.
-Julian: Ok, mehr zahl ich dann auch nicht.

Rein in den ersten Barbershop. Ein Haarschnitt für den Muzungu soll 5000 kosten. Nööö, nur wegen der Hautfarbe zahlen wir doch nicht mehr! Verhandeln wollte man nicht, also sind wir weiter gezogen. Mittlerweile war der Strom wieder ausgefallen.
Apropos Strom… hier gibt’s Strom! Und meistens sogar den kompletten halben Tag. Ausfälle gibt es immer wieder, deswegen auch genügend Taschenlampen und Kerzen. Manche Geschäfte im kleinen Stadtzentrum haben einen Traffometer. So auch der nächste Barbershop, den wir fanden.
Auf die Frage hin, ob er Julians Haare schneiden würde, schüttelte der Frisör nur wild den Kopf; er könne das nicht. „Just like this“ erklärt Julian und rubbelt Eria dabei über den Kopf „with the machine.“ Der Frisör ließ sich breit schlagen und willigte mit einem „I can try“ ein. Traffo anschmeißen und rein in den ca. 6m² großen Laden, der übersäht war mit Spiegeln. Das Summen der Maschine begann, die Haare fielen und immer mehr neugierige Blicke wurden in den kleinen Raum geworfen. Kinder hoben das abgeschnittene Haar vom Boden auf, begutachteten es kritisch und rannten mit einer Hand voller Haare laut rufend nach draußen.


Und da saß er, nun 1500 UGX (ca. 0,50 €) ärmer: Julian mit ganz kurzen Haaren und ohne Bart. Joar, ne. Sieht ganz schön sch…… ön aus. Ganz wunderschön! Und hier schwingt auch überhaupt keine Ironie mit.


Nachdem die Jungs zunächst lautstark protestiert hatten, waren immerhin sie dann doch begeistert. Er sähe jetzt aus wie Jean Claude van Damme. Klaaaaaar. Alle Weißen sehen gleich aus!

Anne