Ein lachendes und viele weinende Augen
Nachdem der Alltag in Uganda in den letzten Wochen zunehmend
schwieriger wurde, weil Mpigi kein Wasser hatte und zu viele Kleinigkeiten im
Alltag schief gegangen sind, haben wir uns eigentlich ziemlich gefreut, auf den
Tag an dem wir Uganda verlassen und auf Reisen gehen. Das war, bis dieser Tag
dann da war. Die letzten Wochen verbringt man im Prinzip damit, noch zu
schauen, das alles so gut weitergehen kann wie möglich, ohne uns. Die
angefangenen Projekte abrunden und fertig machen. Dafür sorgen, dass jemand
konkrete Aufgaben übernimmt, die wir vorher erledigt haben und natürlich
packen, organisieren und sicher gehen, dass man sich von allen ordentlich
verabschiedet. Unseren Freunden, Nachbarn und Lieblingsshopbesitzern (man
entwickelt hier sogar eine emotionale Beziehung zu seinem Bäcker) in Mpigi
Tschüss zu sagen war nicht soo schwer. Als es dann aber an der Schule hieß
„Goodbye Abato“ wurde es doch sehr emotional.
In einem großen Meeting haben wir den Lehrern zuerst noch
SODIS erklärt (das war uns noch wichtig bevor wir fahren) und uns schließlich
verabschiedet. Vor allem unsere Lieblingslehrer, Charles, Christine und Rosette
hat es sehr mitgenommen, das wir die Schule nun verlassen. Rosette hat uns
einen Brief geschrieben und Charles, der sonst zwar immer warmherzig, aber auch
autoritär auftritt, hat mit den Tränen gerungen. Dann kam aber das Härteste:
Den Kindern Lebewohl sagen. Die Lehrer haben alle Kinder zu einer Art
Versammlung auf dem Schulhof zusammengerufen und ihnen erklärt das wir nun
gehen müssen. Den Älteren war direkt anzumerken, wie schwer das für sie war und
als wir unsere ‚Lieblingskids‘ aus P5 gesehen haben, wie sie dastanden und
geweint haben oder verbissen versucht haben stark zu bleiben, war es auch für
uns zum ersten Mal vorbei. Anne und ich vergossen Tränen. Wir haben alle
umarmt, ihnen Worte mit auf den Weg gegeben und immer wieder gesagt, dass sie
tolle Kinder sind und wir sie nie vergessen werden. Anne konnte sich bald wieder
fangen und ein paar Worte an alle versammelten Kids richten, mir fiel das
deutlich schwerer. Ich hätte nie gedacht, dass uns die Schüler so sehr ans Herz
wachsen würden. Nach unserer (oder eher Anne’s) kleinen Ansprache standen wir
wieder in der Menge und haben weiter umarmt. Umarmt wird eigentlich täglich,
aber diesmal war es anders. Viel herzlicher und die Kleinen wollten uns gar
nicht mehr loslassen und kaum hatten sie sich von uns gelöst, haben sich ihre
Arme doch wieder um uns geschlungen… Plötzlich fing ein Kind heftig an zu
weinen. Anne dachte die Kleine wäre im Gedränge geschubst worden und hat sie
auf den Arm geholt (wie wir es in den letzten sechs Monaten immer gemacht
haben, wenn die Kids geweint haben) und hat gefragt, was denn passiert sei.
Dann noch mehr Tränen in der Menge und wir dachten schon, die hauen sich jetzt
alle. Viele Gerede auf Luganda, bis James zu uns kam um uns zu sagen, dass die
Kinder nicht wollen, dass wir gehen. Nach dem Schneeballprinzip haben sich
immer mehr Gesichter in Wasserfälle verwandelt und wir waren ein bisschen
überfordert. So viele Emotionen kannten wir von ugandischen Kids bisher nicht...
Während dieser ganzen Zeit auf dem Schulhof mit den Lehrern
und den Kids war Moses unauffindbar. Unsere Zeit wurde langsam knapp und nach
wiederholtem Fragen wurden wir schließlich von Kirabo zum Office geschickt.
Moses trat, sichtlich erschöpft, an die Tür des Büros und rang um Worte. Er
sagte uns, dass er seit zwei Tagen mit einer Grippe kämpfe und dass er auch
genau weiß, warum er so schwach ist: Weil seine Familie heute um zwei
Mitglieder kleiner wird. Er hat sich bedankt für die Arbeit, die wir geleistet
haben, dafür wie wir zu den Kindern waren und für alles, dass er von uns
gelernt hat. „You have changed
this place for the better, forever. It will never be as it was before“, hat er
gesagt. Natürlich haben wir uns auch bei ihm für alles bedankt und wir
drei haben alle noch mehr Tränen verdrückt. Kirabo und Arthur kamen auch dazu
und schließlich haben wir unserer ugandischen Familie ‚Auf Wiedersehen‘ gesagt
und unsere Heimat in Afrika per Matatu Richtung Kampala verlassen.
Bye
bye Uganda! We had an amazing and unforgetable time!
Julian








