Mittwoch, 24. Dezember 2014

Heiligabend- die Sonne knallt

I'm dreaming of a white Christmas


Weihnachtsfeeling kommt in diesem Jahr leider (oder Gott sei Dank?- so vermisst man nicht so viel) gar nicht auf.

Seit ein paar Tagen ist scheinbar komplett Uganda unterwegs. Alle fahren zu überteuerten Taxipreisen zu ihren Familien in die Dörfer. Da man hier Weihnachten am 25. feiert, fahren auch wir morgen zu Kirabos Familie. Wir sind neugierig wie der morgige Tag sein wird, erwarten aber nicht zu viel. An unser Weihnachten zu Hause kann eh nix ugandisches ran kommen.


Wir schicken ganz viele Küsse an alle, die wir gern haben und wünschen Euch ein frohes Weihnachtsfest! Bitte genießt für uns mit.

Julian & Anne

Samstag, 20. Dezember 2014

Askaris Haus

Ein Haus(für den)Meister

Sein Name; Wilson. Sein Beruf; Nachtwächter und Hausmeister. Seine Schlafenszeit; 4h pro Tag.
Wilson ist unser Askari eine Mischung aus Hausmeister und Nachtwächter. Am Tag hilft er an der Schule mit allem was so anfällt: Er repariert, schleppt Kram von A nach B, arbeitet mit uns wenn wir neue Gebäude bauen, achtet auf die Kinder und und und. Alle Wilsons Tätigkeiten überblickt glaube ich nur Wilson. Er ist einer der am härtesten arbeitenden Ugander, die wir kennen.
Leider hatte Abato in letzter Zeit große Probleme: Obwohl Wilson nachts aufpasst wurden uns seit Anne und ich hier sind diverse Baumaterialien, ein Fußballtor und einige Werkzeuge gestohlen. Außerdem sind die vier Ziegen, die Abato auf dem Schulgelände gehalten hat, nachts von wilden Hunden(?) angefallen worden und gestorben. Eigentlich hätte Wilson als Nachtwächter all dies verhindern sollen, aber ein Mann kann nicht überall sein.
Damit er ab jetzt immer auf dem Gelände sein kann und damit sein enormes Arbeitspensum etwas leichter wird errichten wir nun ein (kleines) Haus für Wilson auf dem Schulgelände. Wir haben also wieder die Arbeitshandschuhe ausgepackt, Backsteine gekauft, Zement angerührt und wieder heißt es Construction. Diesmal ist es indirekt für die Kinder, aber wenn man sich überlegt, dass es hilft die Schule sicherer zu machen, ist das doch auch für die Kids eine gute Sache.

Julian


Donnerstag, 11. Dezember 2014

Taschendieb!

In Rom klauen Langfinger besser

Kampala. Wir waren übers Wochenende in der Hauptstadt und nun auf dem Weg zum Taxipark um nach Hause zu fahren. Gerade sind wir zwischen zwei Autos über eine Kreuzung, es war nicht sonderlich belebt. Aber ich hab etwas an meinem kleinen Rucksack gespürt. Ein Griff nach hinten ließ mich schocken- der Reißverschluss war offen! Mein Hirn war schnell und ich wusste, dass da gerade jemand mein Handy rausgefischt haben muss. Mein Blick fiel direkt auf den Taschendieb, der mich anschaute. Nach einem „Julian!“ machte ich einen schnellen Schritt nach vorne und der Dieb begann zu rennen. Direkt spürte ich aber, dass das meinen verletzten Knie nicht soo gut gefallen hat. Aus dem Augenwinkel sah ich Julian lossprinten. Der Dieb hatte mittlerweile locker 5-10m Vorsprung, aber ich weiß ja wie schnell mein Julian ist. Der hat nur aus voller Kehle geschrien „Stop this man! STOP THIS MAN“. Julian hatte die Aufmerksamkeit aller Menschen um uns herum und man versuchte den Dieb aufzuhalten. Die Ugander waren aber nicht so erfolgreich. Nach ca. 30m Vollsprint hatte Julian den jungen Ugander (er war ungefähr so alt wie wir) eingeholt und an der Schulter herumgerissen. Ich hab das genau von guten 10m Abstand beobachtet. Die Angst in dem Blick des Diebes war unverkennbar. Er wollte Julian das Handy wieder geben, ließ es aber fallen, weil andere Ugander auf ihn zukamen. Also rannte er wieder los. Zurück in die Richtung aus der er gekommen war. Aber da war ich. Ich war wütend, wollte ihn stellen, ihn anbrüllen. Ich musste nur ein paar Schritte zur Seite gehen, und er lief mir in die Arme. Ich hab ihn am Kragen gepackt, herumgeschleudert und gegen eine Hauswand gedrückt. Meinen Griff habe ich nicht losgelassen. Da er genauso groß war wie ich konnte ich ihm direkt in die Augen sehen. Angeschrieen hab ich ihn und geschüttelt. Sekunden später war Julian da und dann die ersten Leute. Sie begannen ihn zu beschimpfen und ihm auf den Kopf zu schlagen. Julian zog mich aus dem Mob, der sich gebildet hatte. „Sie haben gesagt, wir sollen ganz schnell hier weg.“ Wir sind aus der Menschentraube gestolpert. Viel gesehen hab ich nicht, nur dass Leute aus dem Mob auf den Dieb einprügelten und ihn traten. Schnell kamen Sicherheitsleute, die den verängstigten Dieb im Polizeigriff wegbrachten. Ganz ganz viele Leute sprachen uns an, fragten ob wir ok seien, was der Typ zu stehlen versucht hatte und ob wir es zurück haben. Sie waren verblüfft wie Julian reagiert hatte und wie schnell er gerannt ist. Auch ich erntete Lob für meinen Mut. Mutig fühle ich mich bis jetzt nicht; ich war einfach nur stinksauer.

Später überholten uns die Sicherheitsleute mit dem Dieb noch einmal. Er hatte eine riesen Platzwunde am Kopf. Es war kein schönes Gefühl das so zu sehen und im Nachhinein noch schlimmer. Uns wurde erklärt, dass der Mob den Dieb totgeprügelt hätte, wenn die Sicherheitsleute ihn nicht aus der aggressiven Menschenmenge befreit hätten. „Man mag in Kampala keine Kriminellen“ sagte man uns. Ich kann es bis jetzt noch nicht fassen, dass die Gesellschaft so reagieren kann… Generell waren Julian und ich fertig mit den Nerven, als das alles vorbei war und es dauerte etwas bis unsere Beine uns wieder richtig tragen wollten.  Wir beide haben geschwitzt und waren plötzlich total müde. Kein Wunder bei der ganzen Aufregung.

Zumindest wird der Typ jetzt zur Polizei gebracht, ob und wie er dort bestraft wird, wissen wir nicht und ich will es auch gar nicht wissen. Ich bin mir ziemlich sicher, ich bin mit jeder Entscheidung die dort getroffen wird, unzufrieden.



Anne

Sonntag, 7. Dezember 2014

Clans

Inzest vermeiden für Ugander

Ugandas Volk ist gespalten. Die Ugander teilen sich, abhängig von der Herkunftsregion ihrer Familie in 52 verschiedene Clans. Die einzelnen Clans sind so eine Art erweiterte Familie (man nennt jeden im Clan Bruder, Schwester, Onkel, Tante, Mama oder Papa) und für einen kundigen Ugander, verrät bereits der Nachname einer Person, zu welchem Clan sie gehört. Innerhalb einer (richtigen) Familie kann man hier auch verschiedene Nachnamen haben. So hat Andrew einen anderen Nachnamen als sein Bruder und seine Schwester (obwohl alle unverheiratet sind und die gleichen Eltern haben). Man wählt einen Vornamen für sein Kind und einen Nachnamen, der lediglich zum jeweiligen Clan gehören muss. Ein Kind gehört automatisch zum Clan des Vaters.

Jeder Clan hat ein eigenes Motto, dass aber nicht in Worten besteht, sondern in einem bestimmten Trommelsound. Die Clans sind benannt nach Tieren oder bestimmten Dingen/Personen. Tiere sind aber am Häufigsten. Das bringt auch eine tolle Besonderheit mit sich, denn man darf sein Clan-Tier nicht essen! Das ist bei Grashüpfer (hier eine Delikatesse) und Schaaf nervig, aber wenn man zum Kuh-Clan gehört, dann hat man so richtig gelitten. Oder auch nicht, denn die Leute vom Kuh-Clan behaupten einfach, das Wort Kuh sei symbolisch und bedeute eigentlich Frosch. Darum essen sie Kühe. Rafftückisch!

Die zweite wichtige Regel und wahrscheinlich der Grund, warum dieses ganze Clan Getue vor langer Zeit eingeführt wurde lautet: Du darfst keine romantische Beziehung (so mit Küssen) mit Mitgliedern deines eigenen Clans haben. Man muss sich seinen Partner aus einem anderen Clan suchen. So wie ich – Saarland. Nein mal im Ernst: Diese Regel hat durchaus Sinn, denn so wird Inzest und die damit verbundenen Folgen direkt ein Riegel vorgeschoben. Wenn man sich in ein Clan Mitglied verliebt, hat man halt Pech. Darum liebe Kinder merkt euch die Reihenfolge des ugandischen Kennenlernens: 1. Wie heißt du? 2. Deinen Nachnamen wollte ich wissen!? 3. Hallo.

Anne und ich haben auch Clanzugehörigkeiten. Ich habe einfach den Clan meines Host-Fathers (Moses Kalanzi) angenommen und bin somit Grasshopper. Einmal habe ich gesündigt und Grashüpfer gegessen, musste ich aber mal probieren. Anne wurde (damit wir zusammen sein können) von den Ugandern in einen besonderen Clan gesteckt: Nasuna, der Clan der Prinzessinnen.



Julian

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Malaria

Krankenhausbesuch, der äähh….. 4.

Es war ein recht kühler Tag, sodass ein T-Shirt nicht wirklich warm genug halten konnte. Da uns beiden an dem Tag die Kraft fehlte und Julian schlecht geschlafen hatte die Nacht, wollten wir uns ein bisschen ausruhen. Ich hab auf der Bank (3 zusammen genagelte und blau angestrichene Bretter) gesessen und es hat nicht lang gedauert, da ist Julian, eingemümmelt in seinen Pulli, mit dem Kopf auf meinem Schoß eingeschlafen. Kurz später hab ich ihn ins Auto verfrachtet. Mittlerweile war die Sonne wieder da und es wurde zu warm für mich im Auto. Nach einer Stunde, in der Julian noch schlafen wollte, bin ich wieder zu ihm. Es war heiß wie in einer Sauna im Auto. Dementsprechend glitzerten auch die Schweißperlen auf Julians Stirn, doch er fror immer noch.
Oh nein! Fieber! Fieber ist ja nichts schlimmes, aber hier in Uganda ist das ein Symptom für Malaria. Malaria wird von weiblichen Stechmücken übertragen. Wenn sie zuvor jemanden/etwas infizierten gestochen haben (auch noch 3 Wochen nach Genesung), und man dann gestochen wird, stehen die Chancen ziemlich gut, einen positiven Malaria Test zu bekommen. Es gibt verschiedene Sorten Malaria. Die eine ist wie Herpes und kommt immer wieder, die andere, die es hier in Uganda gibt, kann bei falscher Behandlung töten.

Also ab ins Krankenhaus unseres Vertrauens in Mpigi.
Kleiner Exkurs: Man geht hier nicht zum Arzt, wie wir das zu Hause kennen, sondern immer in ein privates Krankenhaus (staatliche Einrichtungen kann man hier vergessen). Im Krankenhaus „Double Cure“ arbeiten ca. 15 Ärzte und Arzthelferinnen. Alles ist sehr überschaubar. Das Gelände ist ca. so groß wie das meiner Grundschule: Es gibt 3 Parkplätze (einer davon geht an den Krankenwagen), 3 Behandlungsräume, einen „OP-Raum“ und ein Labor. Diejenigen die stationär behandelt werden, können in dem einen Einzelzimmer, dem einen Doppelzimmer oder dem Raum mit den 4 Betten unter kommen. Das Krankenhaus deckt an Leistungen ziemlich viel ab: von Zahn- und Augenarzt, über kleine OPs und Familien-/Aidsberatung bis hin zur Gynäkologie ist alles da.
Das Krankenhaus ist sauber und alles was benutzt wird ist steril. Aber dennoch ist es lange nicht zu vergleichen mit einem westlichen Krankenhaus. Trotzdem haben wir uns wegen der kompetenten und freundlichen Angestellten durchaus wohl und sicher gefühlt.

Leider leider waren wir schon öfters dort (man glaubt nicht, was man sich hier als Europäer immer für Kleinigkeiten-Krankheiten einfangen kann) und ca. 60% des Personals kannte mich schon mit Namen. Wir wurden folglich herzlich begrüßt und Julian kam sofort an die Reihe.
Nach der Bestätigung, dass Julian Fieber hatte und einigen Tests wurden wir etwas überrumpelt mit. „You are very very sick!“. Wir habens zuerst gar nicht verstanden. Dann wurde uns erklärt, dass Julian 10 Malaria hatte (keine Ahnung, wieso man das so zählt, aber man kann auch mit 3 Malaria ins Krankenhaus und mit 22 ist man nicht mehr fähig, allein zu stehen).
Er bekam Infusionen sowie Medikamente (vor allem Paracetamol um das Fieber zu senken) und musste haufenweise Softdrinks zu sich nehmen- Hauptsache viiiiel Zucker! Auch sollte Julian über Nacht dort bleiben, damit sie auf Veränderungen reagieren können. Malaria kommt nämlich in Fieberschüben. Zwischen diesen Attacken fühlt man sich ganz gut, ist nur etwas schwach. Aber man könnte meinen, gesund zu sein.
Ich bin also nach Hause, um seine Sachen für den Krankenhausaufenthalt zu packen. Nach dem Abendessen, das Kirabo und Moses uns gebracht hatten (Essen und Trinken gibt’s da nicht im Krankenhaus, das muss man selbst besorgen), bin ich wieder mit nach Hause um dort zu übernachten. Das war sehr ungewöhnlich für Uganda. Die folgenden 2 Nächte bin ich dann ganz ugandisch über Nacht bei ihm geblieben.

Da es Julian die meiste Zeit sehr gut ging (also ja, er war krank, aber zwischen den Fieberschüben durchaus zu gebrauchen), haben wir gelesen,  Filme geschaut (naja, über 30 Stunden während unseres 4 Tages Ausfluges ins Krankenhaus ist der Strom ausgefallen), mit den Angestellten herumgeblödelt und Karten gespielt. Gegessen hat Julian auch, wenn auch etwas weniger.
Die frühen Abende und die Nächte waren wohl am Schlimmsten, weil dann das Fieber immer schlagartig kam. Doch man kümmerte sich sehr gut um ihn. Ein Paradebeispiel: Der Arzt, der Nachtdienst hatte (Faiso, ein ganz lieber mit einem lustigen Sprachtick), hat gegen Mitternacht über eine Stunde damit verbracht Julian mit einem nassen Tuch zu kühlen.
Nach der ersten Nacht konnte Malaria um 4 reduziert werden und Julian hatte „nur“ noch 6 Malaria. Immer noch nicht gut. Nach der zweiten Nacht wollte man ihn noch weiter beobachten und Julian wurde nach der dritten Nacht entlassen.

Nach insgesamt 6 Tagen/5 Nächten war Julian wieder fit und hatte Malaria aus seinem Körper vertrieben. Es hätte alles schlimm sein können, aber Dank Julians starken Immunsystems und der guten und frühzeitigen Behandlung war alles nicht so schlimm. Ja okay, Fieberschübe sind uncool, aber immerhin sind ihm Krämpfe, Gliederschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Co erspart geblieben. War halt wie zu starkes Fieber….
Auf jeden Fall ist jetzt alles wieder gut und meine Malaria-Tests waren negativ. Julian ist jetzt nicht mehr „ansteckend“ und wieder so was von einsatzfähig!
Freut euch auf die Stories aus Jinja!

…Übrigens kennt jetzt jeder Angestellte (von Arzt bis Manager) unsere Namen.



Anne