Sonntag, 30. November 2014

Dienstag, 25. November 2014

Video

Bauen, bauen, bauen!

Leider ist uns die blaue Farbe ausgegangen… aber die kann noch nachgekauft werden ;)

Hier also mal: unser kleines Werk in Bewegtbild (hier klicken fürs Video). Die Fortsetzung wird folgen und Dank der Spenden, die wir bekommen haben, kann noch weiter gebaut werden.

Als erstes soll unser Hausmeister/Nachtwächter (in Luganda: Askari) ein „Haus“ bekommen, wie man hier sagt. Es wird ein ca. 10mq2 Raum, der aber alles bietet, was ein Ugander braucht. Von der Qualität des Bauwerks her, sogar mehr. Unser Askari Wilson ist mittlerweile ein guter Freund von uns geworden, trotz der Sprachhürde, dass wir beinahe keine gemeinsame Sprache sprechen. Wilson ist mit seiner Arbeit und seinem Charakter unverzichbar für Abato geworden und ich bin total froh, ihn in unserem Team zu haben! Da seine Arbeit (vor allem nachts) sehr schwer ist, soll er nun ein Zuhause bekommen, dass ihm seine Wacht erleichtert und ihm einen ruhigen Platz zum Schlafen gibt (Wilson hat zur Zeit kein eigenes Haus).

Wenn das Haus fertig ist (ich rechne mit ca. 10 Tagen Bauzeit… wenn ich nicht zu optimistisch bin), geht’s es an den Spielplatz. Ich freue mich riesig auf das Projekt! Wir suchen im Moment noch Stiftungen, die uns bei der Planung und der Umsetzung helfen könnten. Die Grundidee steht bereits und es soll ganz viel mit alten Autoreifen gebaut werden.
Danach wollen wir mind. zwei neue Klassenräume anbauen und an der Küche arbeiten.

…. Es ist also noch viel zu tun und wir werden ganz fleißig sein in den Schulferien :)



Anne

Dienstag, 11. November 2014

Murchison (Katastro-)Falls Nationalpark – Teil 3

Kundenfreundlichkeit: 0 Punkte

Wir nutzten die Zusatzstunde um eine Bootssafari für den nächsten Tag zu reservieren. Die Dame an der Rezeption war sehr hilfsbereit und rief den zuständigen Ranger an. Man garantierte uns, dass es zu fünft kein Problem sei ein Boot zu reservieren und wir verabredeten auch den Preis (ist hier immer wichtig.) 30 USD für uns Deutsche und 30.000 UGX (keine 10 €) für die Ugander – das ging voll klar.

Als wir dann nach unserer extra Stunde Wartezeit auf die Fähre konnten legte diese überraschend ab. Anne, Andrew und ich waren drauf, unser Auto, Daniel und der Kuhjunge allerdings nicht. Entsetzt fragten wir den Fährenfahrer (der gerade mal fröhliche 10 Minuten zu früh losgefahren war und das, bei der letzten Fähre des Tages) was das sollte. Die Jungs hatten das Auto schon angemacht, da hat die Fähre einfach abgelegt. „No, no, we come back, we just pick one car on the other side.” – Effizienz ist hier ein Fremdwort. Die Fähre macht tatsächlich zwei extra Fahrten wegen eines Autos anstatt fünf Minuten länger zu warten und sich das zu sparen. 19 Uhr auf der Fähre, alles dunkel und am Himmel Gewitterwolken, kein Regen aber blaue Blitze die am Himmel zucken. Neben uns an der Fähre sechs Hippos die uns zu eskortieren scheinen. Die unerwartete Fährüberfahrt ist doch noch irgendwie faszinierend geworden. Wir sind dann Hin, Zurück und wieder Hin gefahren, weil wir die Anderen nicht allein übersetzen lassen wollten, außerdem hätten wir eh auf das Auto warten müssen.

Im Anschluss ging es in das nahegelegene Red Chili Restcamp. Die Ugander eröffneten uns, dass sie ihre Pläne geändert hatten. Ursprünglich sollten sie jetzt zurück fahren und Anne und ich wären am nächsten Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln heim – aber nein! Ungeachtet der Tatsache, dass sie von Anfang an kein Geld hatten, wollten sie jetzt noch übernachten. Ugander scheinen oft so eingestellt zu sein, dass sie uns nichts alleine machen lassen wollen. Was eine Nacht zu zweit im coolen Safari Zelt für Anne und ich werden sollte, wurde plötzlich durch Andrew ergänzt. Also keine Zweisamkeit, aber immerhin konnten wir Andrew davor bewahren, als dritte Person im Auto zu übernachten. Das Camp an sich war echt cool. Essen war gut und zu okayen Preisen erhältlich, Toiletten waren westlich und es gab richtige Duschen – für jeden, der länger in einem ugandischen Dorf gewohnt hat, Luxus pur. Außerdem wandert nachts Hippo Gloria (ja ein echtes Nilpferd) durch das Camp. Warzenschweine, Fledermäuse und andere Tiere gab es auch! Nicht schlecht.

Am nächsten Morgen sollte die reservierte Bootstour um 7 Uhr starten. 6:45 Uhr standen wir bei dem Ranger an der Pforte und wollten bezahlen. Der stellte sich aber mal so richtig quer. 300 USD verlangte er von uns. Wir versuchten uns auf das Telefonat zu berufen, zeigten ihm die Nummer die wir angerufen hatten und er sagte sogar noch, dass es seine Nummer ist, aber er blieb richtig stur und unfreundlich. 300 USD wollte er oder wir hätten gelitten. Überrascht und wütend über so viel Dreistigkeit (wie gesagt, wir hatten den Preis extra am Vorabend abgesprochen) änderten wir den Plan. Statt auf einem Boot zum berühmten Wasserfall zu fahren, wollten wir die Straße nehmen. Also zurück ins Auto uns los. Die Abbiegung zu den Top of the falls (12 km entfernt) war schnell gefunden, aber die Straße war übel. In der Nacht hatte es ganz leicht geregnet und das machte die miese Straße unbefahrbar für einen 2-Rad Antrieb. Wir blieben stecken. Und zwar so richtig. So richtig richtig richtig richtig. Super tief im übelsten Matsch. Was machen die mit den teuren Eintrittsgeldern?!?!?
Ich glaube wir haben eine gute Stunde gekämpft um das Auto rauszukriegen und es auf der engen Straße zu wenden, denn für unser Auto war absolut kein Weiterkommen. Das war richtig frustrierend – zuerst die geplatzte Bootstour und jetzt wussten wir sicher, dass wir den Wasserfall nicht sehen würden. Resigniert und etwas geknickt traten wir den Rückweg an.

Ein kleiner Trost blieb aber noch: Am Ende dieser furchtbaren Straße standen zwei ältere Büffel ganz allein am Straßenrand. Daniel war erst etwas zu schnell an ihnen vorbeigefahren und dann sind wir langsam im Rückwärtsgang zurück zu den Beiden. Ein beeindruckender Anblick.

Nach vierstündiger Heimfahrt inklusive (man ahnt es schon) nochmal fies steckenbleiben auf der Straße zu Andrews Haus, hatten wir es dann geschafft. Als wir zurück waren, waren wir sehr froh darum. Und ehrlich gesagt ist das Gefühl flau, was Murchison angeht. Es ist einfach sehr viel schief gegangen. Trotzdem war den Game Drive echt super.

Mit gemischten Gefühlen habe ich diese Einträge jetzt geschrieben und bin immer noch nicht sicher, wie ich über das alles denke. Vielleicht bleibt das auch erst mal so.


Julian

Mittwoch, 5. November 2014

Murchison (Katastro-)Falls Nationalpark – Teil 2

It’s all about the game

Also für alle bezahlt und reingefahren in den Nationalpark. Um 11:50 Uhr fuhren wir durch das Gate auf die ungeteerte Straße. Die ersten Tiere ließen auch nicht lange auf sich warten, leider waren sie nicht so, wie wir uns das erhofft hatten. Im Park wimmelt es nämlich von Tse-Tse Fliegen, das sind furchtbar lästige, bienengroße Insekten, die mit ihrem Biss die sogenannte Sleeping Sickness übertragen können. Die Viecher sind quasi die unehelichen Bastard-Brüder von Malaria-Moskitos, bloß dass bei denen kein Insektenspray hilft. Beide erfüllen keinen Zweck außer dir in Afrika das Leben schwer zu machen. In den starken Risikogebieten hätten wir eigentlich die Fenster hochmachen müssen, mit 5 Leuten im Toyota Ipsum ohne Klimaanlage war das allerdings wegen der Hitze kaum denkbar. Wir lagen also ständig auf der Lauer und ich würde sagen Anne und ich haben die Welt verbessert, indem wir massenhaft Tse-Tse Biester von ihr entfernt haben. Nach ca. 20 Minuten wurde es dann zum ersten Mal cool: Eine Horde Affen saß auf der Straße, direkt vor uns. 


Baboons sind laute, wilde und gemeine Affen, die einem richtig Spaß machen können, wenn man beobachtet wie sie sich prügeln oder ihre Jungen vor sich herschieben. Die nächsten Tiere ließen auch nicht lange auf sich warten, denn auf der Straße und an der Seite saßen … noch mehr Baboons. Okay aber dafür kamen nach fünf  Minuten … Baboons?! Okay langsam wurden die Affen doch unspektakulär, weil sie in Scharen auf der Straßen hocken und man doch auf weitere Tiere wartet.

Nach zwei Stunden und zig weiteren Baboons erreichten wir die Fähre, die unser Auto über den Nil schippern sollte. Das verlief alles recht reibungslos und war auch cool, denn seitlich im Wasser waren Nilpferdköpfe zu erspähen. Auf der anderen Seite wartete die Straße, die wir für unseren Game-Drive (das ist das adäquate Wort für rumfahren und Tiere anstarren) vorgesehen hatten. Ohne etwas zu sagen stoppten die drei Ugander das Auto direkt nach der Überfahrt, stiegen aus und setzten sich in den Schatten. Anne und ich waren etwas verwirrt und fragten nach kurzer Zeit was los war. „No animals around this time, all the games are sleeping because it’s too hot“ wurden wir aufgeklärt. Da die letzte Fähre zurück bereits um 19 Uhr fuhr, hatten wir eigentlich keine Zeit zum Däumchen drehen also überredeten Anne und Ich die Anderen einfach trotzdem loszufahren. Die ansässigen Ugander guckten ziemlich schräg, als unser Auto als Einziges um halb 3 auf Safari fuhr.
Und was soll ich sagen, diesmal hatten wir Recht! Schon nach kurzer Zeit stand eine Giraffe neben uns, keine zehn Meter vom Straßenrand entfernt. Und weil alles leer war sind wir sogar (verbotenerweise) ausgestiegen um etwas näher ranzugehen und Fotos zu machen. Auf der weiteren Fahrt fanden wir am Straßenrand Impalas, Uganda Kob, Warzenschweine, Erdmännchen, perlhuhnartige Vögel und generell zig coole Vögel, die ich als ahnungsloser Anti-Ornithologe nicht identifizieren kann. Nachdem wir einige Zeit über sehr dicht bewachsene Straßen gefahren waren und ich mich als Fahrer gleich mehrmals gefragt habe, ob auf diesen Wegen in den letzten Monaten überhaupt Autos unterwegs waren (die Beschilderung in Murchison ist … kaum vorhanden?!) sahen wir einen Baum direkt an der Straße rascheln. Und auf einmal war es soweit – Elefanten! Direkt vor uns. Fünf Meter vor dem Auto rannten sie über die Straße, gleich vier Stück und einer stand am Rand und rüsselte an einem Baum herum. Unfassbar krass. Ich war so fröhlich, dass wir sie gefunden hatten und sie waren uns wirklich nah. Weiter ging’s in Richtung Nil Delta und als wir dort ankamen, sah die Straße auch plötzlich wieder besser aus. Wir fuhren neben dem Nil entlang und entdecken noch mehr Nilpferde beim Baden und Rumlaufen. Das absolute Highlight war dann eine riesige Giraffenherde. 
Bestimmt 30 Giraffen und sie waren uns super nah. Alle wollten zum Wasserloch und darum sind sie auch nicht weit weggegangen. Ich habe auch zum ersten Mal erlebt wie Giraffen rennen. Das ist sowas von majestätisch, es ist ganz langsam und mit ihren stelzen-artigen Beinen auch sehr eigen. Ich weiß gar nicht recht wie es beschreiben soll. Gegen Ende unserer Tour sahen wir noch weit entfernt eine Büffel Erde und hatten so mal lockere 3 von den Big 5 abgehakt.

Als wir um 17:45 am Fähranleger ankamen waren wir erschöpft und glücklich. Anne und ich dachten, das passe nun perfekt und wir setzen um 18 Uhr über, aber dann: Uganda. Die anderen Drei hatten beschlossen, dass man das Auto jetzt tanken müsse, an einer Tankstelle die „ganz nah“ sei. Wir argumentierten, dass wir ja nun eigentlich auf die andere Seite wollten, aber da war das Auto schon aus der Reihe rausgefahren. Für Ugander ist es kein Problem eine Stunde sinnlos rumzusitzen und auf die nächste Fähre zu warten.
Im dritten und letzten Teil dann die getrippelte Fährüberfahrt, mehr ugandisches Pläne umschmeißen, unsere Nacht mit Hippo im Red Chili Restcamp und unser letzter halber Tag im Park. Spoiler: Der war nix mehr.


Julian

Montag, 3. November 2014

Murchison (Katastro-)Falls Nationalpark – Teil 1

Der Weg ist nicht mein Ziel

Am Mittwoch wollten wir gemeinsam mit Andrew in den Murchison Falls Nationalpark fahren. Der flächenmäßig größte Nationalpark Ugandas lockt mit einer riesigen Vielfalt an Tieren und wunderschöner Natur. Hauptattraktion ist der 6m breite Wasserfall, an dem der Nil in eine tiefe Schlucht stürzt. So die Broschüre…

Nach einiger Zeit hier könnte man meinen, man gewöhne sich daran, dass nie etwas so läuft, wie man es plant oder es sich vorstellt, aber so ist es nicht. Anne und ich hatten den Trip gut geplant und durchkalkuliert, was wir an Budget mitnehmen müssten. Am Abend zuvor überraschte uns Andrew noch mit der Nachricht, dass er ein Auto von einem Bekannten mieten konnte, so dass wir nun nicht mehr auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen waren. Die Safari Truppe bestand aus Anne, mir, Andrew (der mittlerweile zu einem guten Freund für uns geworden ist), Daniel (ein Freund von Andrew, der auch Direktor an Andrews Schulprojekt ist) und dem Jungen, der bei Andrew auf die Kühe aufpasst (hier ab jetzt KJ genannt – kurz für Kuh-Junge. Sorry, aber ich weiß seinen Namen nicht und KayJay klingt doch fast pseudocool).

Früh morgens um 6 sollte es losgehen und Anne und ich wussten bereits, dass es mal locker halb 8 wird, bis wir loskommen - So ist das, wenn man mit Ugandern reist. Es wurde halb 9, aber wer wird das schon ganz genau nehmen. Daniel, der das Auto abgeholt hatte, erklärte uns den Grund für die Verzögerung:

In der Nacht hatte es leicht geregnet und die Feldwege, die man hier Straße nennt, waren schwer befahrbar. Auf dem Weg zu uns war er bereits einmal steckengeblieben, denn das gemietete Auto hatte keinen Allradantrieb (Stephen King’sches Foreshadowing: Ein Fehler, der sie noch verfolgen sollte). Trotzdem freuten wir uns, dass es endlich losging. Auf dem Weg sind wir dann noch zweimal im Matsch steckengeblieben und einmal konnten wie nicht weiter fahren, weil uns das Benzin ausgegangen war. Die Tankanzeige des Autos war nämlich auch kaputt, so dass man munter schätzen durfte, wann das Benzin leer war (in diesen Fall: beim Strich über dem Reservebereich).

Über bucklige Straßen mit riesigen Schlaglöchern erreichten wir nach 3 Stunden das Tor zum Nationalpark. Vor Ort waren auf einmal alle drei Ugander über den Eintrittspreis verwundert und eröffneten uns, dass sie KEIN Bargeld mitgenommen hätten. Die Drei hatten mit Mobile Money geplant (ein Handy-Bezahl-Service), aber das funktioniert im Park nicht. Also mussten Anne und ich für die Ugander vorstrecken, was uns ganz schön aus dem Budgetplan geworfen hat. Die Dame am Gate war auch noch unfassbar unfreundlich, schien total genervt von uns zu sein und hatte keine Lust uns irgendwelche Auskünfte zu geben, abgesehen von „Es kostet so und so viel“ „Da kann man nichts ändern“…


Im nächsten Teil lest ihr, wie es im Park mit zu wenig Geld weiterging, warum Baboons nach einiger Zeit nicht mehr attraktiv sind und von unserer Safari zu einer Zeit in der angeblich „alle Tiere schlafen, so dass man sie eh nicht sieht.“

Julian