Dienstag, 10. März 2015

Abschied nehmen

Ein lachendes und viele weinende Augen

Nachdem der Alltag in Uganda in den letzten Wochen zunehmend schwieriger wurde, weil Mpigi kein Wasser hatte und zu viele Kleinigkeiten im Alltag schief gegangen sind, haben wir uns eigentlich ziemlich gefreut, auf den Tag an dem wir Uganda verlassen und auf Reisen gehen. Das war, bis dieser Tag dann da war. Die letzten Wochen verbringt man im Prinzip damit, noch zu schauen, das alles so gut weitergehen kann wie möglich, ohne uns. Die angefangenen Projekte abrunden und fertig machen. Dafür sorgen, dass jemand konkrete Aufgaben übernimmt, die wir vorher erledigt haben und natürlich packen, organisieren und sicher gehen, dass man sich von allen ordentlich verabschiedet. Unseren Freunden, Nachbarn und Lieblingsshopbesitzern (man entwickelt hier sogar eine emotionale Beziehung zu seinem Bäcker) in Mpigi Tschüss zu sagen war nicht soo schwer. Als es dann aber an der Schule hieß „Goodbye Abato“ wurde es doch sehr emotional.

In einem großen Meeting haben wir den Lehrern zuerst noch SODIS erklärt (das war uns noch wichtig bevor wir fahren) und uns schließlich verabschiedet. Vor allem unsere Lieblingslehrer, Charles, Christine und Rosette hat es sehr mitgenommen, das wir die Schule nun verlassen. Rosette hat uns einen Brief geschrieben und Charles, der sonst zwar immer warmherzig, aber auch autoritär auftritt, hat mit den Tränen gerungen. Dann kam aber das Härteste: Den Kindern Lebewohl sagen. Die Lehrer haben alle Kinder zu einer Art Versammlung auf dem Schulhof zusammengerufen und ihnen erklärt das wir nun gehen müssen. Den Älteren war direkt anzumerken, wie schwer das für sie war und als wir unsere ‚Lieblingskids‘ aus P5 gesehen haben, wie sie dastanden und geweint haben oder verbissen versucht haben stark zu bleiben, war es auch für uns zum ersten Mal vorbei. Anne und ich vergossen Tränen. Wir haben alle umarmt, ihnen Worte mit auf den Weg gegeben und immer wieder gesagt, dass sie tolle Kinder sind und wir sie nie vergessen werden. Anne konnte sich bald wieder fangen und ein paar Worte an alle versammelten Kids richten, mir fiel das deutlich schwerer. Ich hätte nie gedacht, dass uns die Schüler so sehr ans Herz wachsen würden. Nach unserer (oder eher Anne’s) kleinen Ansprache standen wir wieder in der Menge und haben weiter umarmt. Umarmt wird eigentlich täglich, aber diesmal war es anders. Viel herzlicher und die Kleinen wollten uns gar nicht mehr loslassen und kaum hatten sie sich von uns gelöst, haben sich ihre Arme doch wieder um uns geschlungen… Plötzlich fing ein Kind heftig an zu weinen. Anne dachte die Kleine wäre im Gedränge geschubst worden und hat sie auf den Arm geholt (wie wir es in den letzten sechs Monaten immer gemacht haben, wenn die Kids geweint haben) und hat gefragt, was denn passiert sei. Dann noch mehr Tränen in der Menge und wir dachten schon, die hauen sich jetzt alle. Viele Gerede auf Luganda, bis James zu uns kam um uns zu sagen, dass die Kinder nicht wollen, dass wir gehen. Nach dem Schneeballprinzip haben sich immer mehr Gesichter in Wasserfälle verwandelt und wir waren ein bisschen überfordert. So viele Emotionen kannten wir von ugandischen Kids bisher nicht...

Während dieser ganzen Zeit auf dem Schulhof mit den Lehrern und den Kids war Moses unauffindbar. Unsere Zeit wurde langsam knapp und nach wiederholtem Fragen wurden wir schließlich von Kirabo zum Office geschickt. Moses trat, sichtlich erschöpft, an die Tür des Büros und rang um Worte. Er sagte uns, dass er seit zwei Tagen mit einer Grippe kämpfe und dass er auch genau weiß, warum er so schwach ist: Weil seine Familie heute um zwei Mitglieder kleiner wird. Er hat sich bedankt für die Arbeit, die wir geleistet haben, dafür wie wir zu den Kindern waren und für alles, dass er von uns gelernt hat. „You have changed this place for the better, forever. It will never be as it was before“, hat er gesagt. Natürlich haben wir uns auch bei ihm für alles bedankt und wir drei haben alle noch mehr Tränen verdrückt. Kirabo und Arthur kamen auch dazu und schließlich haben wir unserer ugandischen Familie ‚Auf Wiedersehen‘ gesagt und unsere Heimat in Afrika per Matatu Richtung Kampala verlassen.

   Bye bye Uganda! We had an amazing and unforgetable time!


Julian